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COVID-19 Schutzimpfung und CED - Interview mit Prof. Harald Vogelsang


Seit vielen Monaten begleitet uns nun das Thema COVID-19. Für viele CED-Betroffene stellt dies eine große, zusätzliche Belastung zu ihrer bereits bestehenden Erkrankung dar. Nun ist es in Österreich seit kurzem möglich, eine COVID-19 Schutzimpfung zu erhalten. Vor allem Personen, welche unter immunsuppressiver Therapie stehen, kontaktieren uns im Moment häufig mit Fragen zum Thema.

Im Interview mit Prof. Harald Vogelsang versuchen wir Euch die richtigen Antworten zu geben…



Univ.-Prof. DI Dr. Harald Vogelsang

ehem. Leiter der CED-Ambulanz am AKH Wien und medizinischer Beirat des CED-Kompass








Herr Prof. Vogelsang, was ist denn der aktuelle Wissensstand zum Thema COVID-19 und chronisch entzündliche Darmerkrankungen? Eine Infektion mit SARS-CoV-2 tritt nach den bisherigen Studien bei CED (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) nicht häufiger als in der restlichen Bevölkerung auf. Der Verlauf von COVID-19 (Erkrankung) hängt vom Alter, den Zusatzerkrankungen (Herz-, Lungenerkrankungen, Diabetes mellitus, Hypertonie etc.), der Medikation (z.B. Cortison) und wahrscheinlich auch der Aktivität der jeweiligen Erkrankung ab. Darum sollten alle diese Faktoren beachtet, gut eingestellt und mit Ihrem behandelnden Arzt abgesprochen werden.


Worauf sollten CED-Betroffene im Alltag ganz besonders achten? Primär sind immer die jeweils länderspezifischen Vorsichtsmaßnahmen (räumliche Distanzierung zu anderen Menschen, Tragen womöglich von FFP-2-Masken, etc.) zu beachten, was CED-Betroffene meist auch sehr gut erledigen.


Welche/r Impfstoff/e ist/sind aktuell in Österreich verfügbar und wodurch unterscheiden sich diese? Seit Dezember bzw. Jänner 2020 sind nun erstmals zwei Impfungen (von Pfizer/Biontech sowie Moderna, beides mRNA-Vakzine) von der europäischen medizinischen Agentur (EMA) zugelassen, weitere sind kurz vor der Zulassung (z.B. von AstraZeneca, ein Vektor-Impfstoff) bzw. in Entwicklung. Beide mRNA-Vakzine (sprich jene Impfstoffe von Pfizer/Biontech und Moderna) haben bei mehr als 30.000 bzw. 40.000 Probanden eine Wirksamkeit von über 90%, also bei weitem größer als z.B. einer Grippe-Impfung. Für die Vektorimpfung von AstraZeneca nimmt man eine Wirksamkeit von ca. 70% an (vergleichbar mit Grippeimpfung).


Gibt es bereits konkrete Studiendaten für PatientInnen unter Immunsuppression? Es gibt bisher keine Studiendaten zur Impfung von Probanden unter Immunsuppression. Diese waren – wie in Impf-Zulassungsstudien üblich – ausgeschlossen. Bisher traten bei Personen unter Immunsuppression eventuelle Probleme nur bei Lebendimpfungen (mit vermehrungsfähigen, abgeschwächten Krankheitserregern, sprich Viren, Bakterien) auf. Dabei kann beispielsweise eine unerwartete Infektion durch den geimpften Erreger oder eine etwas schwächere Antikörperbildung eintreten. Der AstraZeneca-Impfstoff enthält jedoch einen genetisch veränderten Virus, der beim Menschen nicht vermehrungsfähig ist.


mRNA-Impfstoff versus Vektor-Impfstoff – können Sie die Unterschiede kurz erklären? Ein mRNA-Impfstoff enthält nur einen Teil der RNA des SARS-CoV-2 Virus, kann in die menschliche Zelle (nicht in den Zellkern) eingeschleust werden und dient dort als Bauplan für die Produktion des typischen Spike-Proteins von SARS-CoV-2 für die menschliche Zelloberfläche. Dadurch werden sämtliche Abwehrmechanismen (z.B. Antikörperbildung) bei der geimpften Person in Gang gesetzt, die dann beim Kontakt mit SARS-CoV-2 zur schnelleren Elimination des Virus und Verhinderung einer schweren Erkrankung führen. Ein Vektor-Impfstoff hingegen verwendet ein abgeschwächtes Virus,- (z.B. Adenovirus/Schnupfenvirus des Schimpansen beim AstraZeneca-Impfstoff), der so modifiziert ist, dass auch dieser die Information für das Spikeprotein in sich trägt. Die Virus-DNA dringt in den Zellkern ein, lässt die Zelle das typische Spike Protein des SARS-CoV-2 an der menschlichen Zelloberfläche produzieren, ist jedoch durch Abänderung des Virus beim Menschen nicht vermehrungsfähig.


Welche Nebenwirkungen sind bei den Impfungen zu erwarten? Bei beiden Impfstofftypen sind zwei Impfungen im Abstand von 3-4 Wochen vorgesehen. Es können übliche Impfnebenwirkungen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Kopfschmerzen, leichtes Fieber, Muskelschmerzen usw. auftreten, bei der zweiten Boosterimpfung womöglich mehr als bei der ersten Teilimpfung. Diese Impfnebenwirkungen treten bei den neuen mRNA Impfstoffen durchaus häufiger auf als bei klassischen Totimpfstoffen, sind aber in der Regel als eine gutartige immunologische Reaktion zu werten. Schwere Nebenwirkungen, wie allergische-anaphylaktische Reaktionen, treten äußerst selten – etwa 1 auf 100.000 – insbesondere bei Menschen mit „Impfallergien“ oder schweren allergischen Reaktionen in der Vergangenheit auf.


CED und COVID-19 Schutzimpfung – was ist Ihre persönliche Empfehlung? Jeder sollte sich sowohl in seinem eigenen als auch im Interesse seiner sozialen Umgebung gegen COVID-19 / SARS-CoV-2 impfen lassen. Insbesondere PatientInnen unter immunsuppressiver Therapie, da hier höhere Infektionsrisiken – wie auch sonst bekannt – bestehen. Aufgrund der Empfehlung für immunsupprimierte Menschen, generell auf Lebendimpfstoffe zu verzichten, könnte es vorteilhaft sein, auf mRNA-Impftypen zu setzen. Am besten Sie besprechen dieses Anliegen und die hier genannten Gründe direkt mit Ihrem behandelnden Arzt.

Vielen Dank für das Gespräch! © CED-Kompass


Stand: Ende Jänner 2021


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