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Österreichische Morbus Crohn-Colitis Ulcerosa Vereinigung


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Therapie bei Colitis ulcerosa (Cu)

Bei einem akuten Krankheitsschub wird meist mit entzündungshemmenden Medikamenten behandelt. Auch in der beschwerdefreien Zeit sollte die Behandlung mit langfristig wirkenden Medikamenten fortgesetzt werden.

Es gibt keine spezifische Kost, bei der eine Colitis ulcerosa abheilt. Im Allgemeinen sollte eine normale Mischkost eingenommen werden, die eiweiß- und kalorienreich ist. Bei starker Unternährung kann zusätzliche Trinknahrung notwendig sein. Bei hochgradiger Krankheitsaktivität oder Vorliegen eines toxischen Megakolons müssen die Nährstoffe intravenös, unter Umgehung des Magen-Darm-Traktes zugeführt werden (sog. parenterale Ernährung).

Bei mangelnder Aufnahme bestimmter Nahrungsbestandteile ist oftmals eine zusätzliche Zufuhr dieser Komponenten angezeigt - bei Colitis ulcerosa etwa von Eisen, Vitaminen, Kalium und Eiweiß. Durch Beifügung von Eisen kann etwa einer Blutarmut (Anämie) vorgebeugt werden. Durch die Substitution von Eiweiß können Wassereinlagerungen ins Gewebe (Ödeme) hintangehalten werden. Zudem müssen die oft erheblichen Flüssigkeitsverluste von Colitis-Patienten ausgeglichen werden.
Bei schwerer Erkrankung kann ein Krankenhausaufenthalt notwendig werden.

Pillen, Foto:Fotolia_10146733_XS
Welche Medikamente können verabreicht werden?

Kortisonfreie entzündungshemmende Medikamente (Mesalazin, Olsalazin) stellen die Standard-Therapie der Colitis ulcerosa dar. Sie kommen bei den meisten leichten bis mittelschweren Schüben zum Einsatz und können in Form von Tabletten oder als Einlauf verabreicht werden. Meist tritt schon nach wenigen Tagen eine Besserung ein.
Zusätzlich können lokal wirksame Kortikosteroide (z.B. Budesonid) als Einläufe verabreicht werden. Bei mittelschweren und schweren Schüben werden zudem Kortikosteroide als Tabletten oder intravenös verabreicht (z.B. Predinosolon).
Bei komplizierten Verläufen, bei denen Kortikosteroide keinen ausreichenden Effekt gezeigt haben, werden Immunsuppressiva eingesetzt. Dabei handelt es sich um Präparate, die die körpereigene Abwehr dämpfen (z.B. Azathioprin, Cyclosporin A).
Eine Therapie mit Antibiotika kann bei hochgradiger Krankheitsaktivität und Komplikationen (toxisches Megakolon) notwendig werden.
Seit kurzem steht auch die Behandlung mit einem Antikörper gegen den Tumornekrose-Faktor alpha (TNF-alpha) zur Verfügung, welcher schon seit einigen Jahren zur Behandlung von Morbus Crohn verwendet wird. Dieser TNF-alpha-Hemmer (Infliximab) wird bei Versagen der anderen Therapien eingesetzt. Hier ist aufgrund der aktuellen Forschung mit weiteren Medikamenten in der nächsten Zeit zu rechnen.

Welche operativen Therapien gibt es?

Kann die Krankheit mit Medikamenten nicht ausreichend kontrolliert werden, müssen operative Maßnahmen getroffen werden. Ein chirurgischer Eingriff ist etwa dann angezeigt, wenn sich der Allgemeinzustand des Patienten stetig verschlechtert, Kinder oder Jugendliche unter Wachstumsstörungen leiden oder Vorstufen eines kolorektalen Karzinoms bei den Betroffenen entdeckt werden. Bei gefährlichen Komplikationen - wie dem toxischen Megakolon, einem Darmdurchbruch (Perforation), einer Entzündung des Bauchfells (Peritonitis) oder bei schweren Blutungen - muss eine Notoperation durchgeführt werden.

Das operative Verfahren der Wahl bei Colitis-Patienten ist die totale Proktokolektomie, d.h. die Entfernung des gesamten Dick- und Mastdarms. Zusätzlich wird ein ileoanaler Pouch angelegt:
Der Mastdarm wird dabei so entfernt, dass der muskuläre Verschluss-Apparat des Darms (Sphinkter) erhalten bleibt. Dann wird ein Dünndarmbeutel (Pouch) aus einem Teil des unteren Dünndarmabschnitts (Ileum) angelegt und mit dem After (Anus) verbunden. Hierbei ist die Stuhlkontinenz durch den erhaltenen muskulären Verschluss-Apparat und den Pouch als neues Stuhlreservoir meist gewährleistet.

Die Lebensqualität und Zufriedenheit von Patienten mit einem ileoanalen Pouch ist im Allgemeinen sehr hoch. Durchschnittlich zeigen Pouch-Patienten sechs Entleerungen pro Tag, bei etwa einem Drittel kommt es allerdings zeitweise zu Inkontinenz. Bei ebenfalls rund einem Drittel der Patienten kommt es zu einer Entzündung ihres neu angelegten Stuhlreservoirs (Pouchitis), was die Behandlung mittels Antibiotika (z.B. Metronidazol) bzw. entzündungshemmenden Medikamenten notwendig macht.

Welche sonstigen Therapiemöglichkeiten stehen zur Verfügung?

Vor allem die oft mannigfaltigen psychosozialen Folgen der Erkrankung bedürfen einer Behandlung, die über eine rein medizinische hinausgeht. Entspannungs- oder psychotherapeutische Verfahren sollten allerdings nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung und Erweiterung der medikamentösen bzw. operativen Therapie angesehen werden.

In diesem Zusammenhang ist auch zu erwähnen, dass diversen "alternativen" Heilverfahren, die nicht oder nur unzureichend geprüft sind, bei einer schwer wiegenden Erkrankung wie der Colitis ulcerosa mit entsprechender Vorsicht zu begegnen ist. Keinesfalls sollten Betroffene diese anstatt der von ihren Ärzten vorgeschlagenen Therapien anwenden. Sollte eine bestimmte alternative Methode vom Patienten selbst gewünscht sein, so empfiehlt es sich, mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten offen darüber zu sprechen.

Der mangelnde Informationsaustausch zwischen Patienten und Ärzten, auch über die psychosozialen Auswirkungen der Erkrankung (z.B. Operationsängste, beeinträchtigte Sexualität) führt häufig zu Missverständnissen: So können etwa durch die Erkrankung bedingte Einbußen des körperlichen und psychischen Wohlbefindens vom Patienten subjektiv als Medikamenten-Nebenwirkungen interpretiert werden. Da es Ärzten mitunter nicht gelingt, mit ihren Patienten eine vertrauensvolle Verbindung aufzubauen, verwundert es kaum, dass diese nicht selten auf - aus schulmedizinischer Sicht - höchst fragwürdige Heilverfahren ausweichen, bei denen allerdings verstärkt auf die subjektiven Bedürfnisse der Patienten eingegangen wird.

Gelingt es, auf krankheitsabhängige psychosoziale Phänomene während der schulmedizinischen Therapie einzugehen, kann die Akzeptanz der Betroffenen gegenüber den als notwendig betrachteten Untersuchungen und Therapien zunehmen. Alternative Heilmethoden können dann als subjektiv unterstützende und offen benannte Ergänzung (jedoch nicht als Ersatz!) für die vom Arzt verordneten Behandlungen angewendet werden.

Einige zusätzliche Therapien haben sich in wissenschaftlichen Studien als viel versprechend erwiesen und sollen bei den Betroffenen nicht nur den Umgang mit psychosozialen Folgen erleichtern, sondern mitunter auch den Krankheitsverlauf mildern können. Zu den zahlreichen zur Verfügung stehenden Verfahren zählen etwa:

Entspannungsverfahren

Autogenes Training kann den Betroffenen dabei helfen, die schwankenden Spannungszustände des Darms und die darauf folgende körperliche Verspannung auszugleichen. Krankengymnastik kann durch Atemtherapie, leichte Rücken-, Arm- und Beinmassage zur allgemeinen körperlichen Entspannung der Patienten beitragen. Bei Blähungen und Anspannungen der Bauchmuskulatur und bei schmerzhaften Bauchkrämpfen vor der Entleerung (Tenesmen) können leichte Leibmassagen zusätzliche Erleichterung für Colitis-Patienten bringen. Auch die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson hat sich laut einigen Studien bei Patienten mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung (CED) bewährt. Bewegungstherapie hilft Betroffenen, die Wahrnehmung des eigenen Körperbildes zu erweitern.
Entspannungsverfahren wirken beruhigend sowie ermutigend und ermöglichen den Patienten einen positiven Umgang mit ihrem eigenen Körper.

Psychotherapie

Eine stützende Gesprächstherapie hilft die oftmals vorhandene Entmutigung, Depressivität und emotionale Leere positiv zu beeinflussen. Mit therapeutischer Unterstützung können Patienten Zugang zu den belastenden psychischen und sozialen Auswirkungen der Erkrankung finden und Ansätze zur Lösung von Konflikten erarbeiten. Vor allem wenn Colitis-Patienten in jungen Jahren erkranken, kann dies massive Auswirkungen auf Lebensqualität und körperliche wie seelische Entwicklung haben.

Familientherapie kann dabei helfen, Beziehungs- und Verhaltensmuster innerhalb einer Familie offen zu legen und Veränderungen in Gang zu bringen, die dem Kranken vor allem bei der Selbstentwicklung eine wichtige Hilfe sein können. Es hat sich gezeigt, dass in Familien eine große Bereitschaft zur therapeutischen Mitarbeit besteht, nicht zuletzt wegen der den jungen Patienten oft sehr beeinträchtigenden psychosozialen Folgen der Erkrankung. Ähnliches gilt für die Paartherapie.

Kreative Therapieverfahren

Vor allem die assoziative Maltherapie hat sich bei Personen mit gehemmter oder mangelhafter sprachlicher Ausdrucksfähigkeit bewährt. Die Patienten stellen Gedanken und Gefühle zu ihrer Krankheit bildlich dar und formulieren anschließend Assoziationen zu den entstandenen Bildern.

Im Vordergrund stehen bei Menschen mit Colitis ulcerosa häufig Ängste in Bezug auf die Krankheit, deren Verlauf sowie bevorstehende Operationen. Auch Wünsche nach Ruhe, Entspannung, Schmerzfreiheit und Geborgenheit sowie die Sehnsucht nach körperlicher Unversehrtheit können auf diese Weise zum Ausdruck gebracht werden. Bei vielen Betroffenen zieht der Darm alle Aufmerksamkeit auf sich und wird zum bestimmenden Element vieler Gedanken und Gefühle.
Die gemalten Bilder können über die von ihnen ausgelösten Assoziationen den Weg zur Gesprächstherapie ebnen.

Gespräche mit Betroffenen

Der Kontakt zu anderen Betroffenen, hergestellt durch Patientenorganisationen wie die ÖMCCV, gibt neuen Lebensmut, hilft bei der Bewäligung der Alltagsprobleme, hilft aus der Isolation zu kommen. Im Rahmen von Einzel- und Gruppengesprächen von Betroffenen und Angehörigen werden die eigenen Erfahrungen weitergegeben. Bei Informationsveranstaltungen werden Informationen von Fachleuten aus allen Lebensbereichen angeboten.

Durch den Kontakt mit anderen Betroffenen wird die Bereitschaft, das Leben wieder in die eigenen Hände zu nehmen, erhöht. Durch positive Beispiele Erkrankter werden andere animiert, ihr Leben wieder selbständig und selbstbestimmt, ihren persönlichen Bedürfnissen angepasst, zu gestalten.


aus NetDoktor.at (teilweise gekürzt und erweitert)

Autor: Dr. Matthias Thalhammer

Wissenschaftliches Review: Prim. Univ. Prof. Dr. Herbert Tilg, Facharzt für Innere Medizin

Weiterführende Informationen finden Sie auch bei unseren Buchempfehlungen,
im Bericht über den Vortrag: "Tipps zur Selbsthilfe bei Colitis ulcerosa",
Berichte in der Zeitschrift Crohnicle über Vorträge:
Ernährungstherapie bei CED
Neue Therapieoptionen der medikamentösen Behandlungen von Morbus Crohn - Infliximab
(Anmerkung: Therapie hat inzwischen auch die Zulassung für Colitis ulcerosa erhalten)
Alternativtherapien bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen
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Wann ist eine Operation besser als keine Operation?
Was gibt es Neues im Medikamentenschrank bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen?
Neue Trends in der Therapie der Colitis ulcerosa
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Weihrauch bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
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