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Meine Erfahrung mit Morbus Crohn und Sport

Kuno Zhuber-Okrog
Kuno Zhuber-Okrog
Zuerst erzähle ich ziemlich trocken, was sichtbar und nachweisbar ist.Dann werde ich weiter ausho­len, meine Vorstellungen von Sport und Gesundheit und schließlich meine persönlichen Eindrücke von den Laufveranstaltungen schildern, an denen ich teilgenommen habe.Leider kann ich im Umfang dieses Berichts Details über den Laufsport wie etwa Lauftechnik und gelegentlichen Barfußlauf nicht unterbringen.

Ich habe Morbus Crohn.Diagnostiziert wurde mei­ne Krankheit nach dem Auftreten von Analfisteln im Jahr 1994, also vor mehr als zwanzig Jahren.Ich war damals 30 Jahre alt.Das Hauptthema soll aber der Sport sein, also verschiebe ich meine Kranken­geschichte an den Schluss dieser Schilderung.

Ich bin einer von vielen CED-Patienten und -Patientinnen, der Sport betreibt, in meinem Fall Amateursport.Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder.Ich arbeite Vollzeit als Elektronik- und Faseroptikentwickler.

Nach meiner zweiten OP begann ich vermehrt zu wandern und auch zu laufen.Ich lief drei Halbma­rathons im Abstand von einem halben Jahr.Nach einer Pause lief ich vier Marathons (je 42 km) im Abstand von etwa einem halben Jahr.

Im Jahr 2015 war ich sportlich besonders aktiv.Ich trat an einigen Ultraläufen an.Das sind Läufe über mehr als 42 km.Der erste war ein 4h-Lauf, bei dem ich in 4:15 etwa 47 km weit kam.Zwischen den Ultraläufen lief ich drei Marathons im Wochen­abstand.Alle drei schaffte ich unter 4 Stunden.Ich trainierte in hügeligem Gelände, was mich auch für Bergläufe fit machte.Ich lief zwei Berg-Ultraläufe und noch zwei extreme Ultraläufe, 100 km und 24 Stunden, wo ich im Zeitlimit von 12 Stunden die 100 km schaffte bzw.in den 24 Stunden 133 km weit kam.Beide Extremläufe fanden bei extrem heißen Sommertemperaturen um 35 Grad statt.Im Herbst lief ich noch einen Marathon.
Durch die Teilnahme an drei Läufen des österrei­chischen Ultralauf-Cups bin ich in dessen Wertung.Ich bin siebenter bei den Masters, so nennt man die “Senioren” im Sport ab 50.Zusammengefasst lief ich 2015 sechs Ultraläufe und 4 Marathons.Natürlich lief ich auch zahlreiche Trainingsläufe.

Ich bin kein schneller Läufer.Auf kurzen Strecken schaffe ich etwa 12-14 km/h, Sportler schaffen etwa 18-24 km/h.

Sport und Gesundheit
Sport hat seine gesunden Seiten aber birgt auch Gefahren.Natürlich kann man sich beim Sport ver­letzen und auch bleibend schädigen.Da muss man versuchen, behutsam heranzugehen.Beim Laufen heißt das, bei jedem Schritt vorsichtig aufzusetzen.Besonders bergab ist das wichtig.Das Dumme an manchen Schädigungen ist, dass man monatelang noch nichts von ihnen bemerkt.Sobald man etwas bemerkt, ist es bereits zu spät.

Ich möchte auch das Spannungsfeld zwischen Motivation und Gesundheit erwähnen.Wenn man nicht beginnt, betreibt man keinen Sport.Mir geht es oft so, dass ich mir nicht vorstellen kann, mich zu bewegen.Ich fühle mich einfach zu schwach und glaube, dass ich die Anstrengung nicht aushalten würde.Wenn ich aber loslaufe, dann klappt es doch.
Es motiviert mich auch sehr, bei einer öffentlichen Laufveranstaltung mitzumachen.Das ist für mich ein zwingender Grund zum Training.Auch während der Veranstaltung ist man sehr motiviert: bei einer Laufveranstaltung ist man immer schneller als im Training.

Genauso motivierend sind Ballspiele.
Man hat immer ein Ziel vor Augen.
Hier beginnt jedoch schon ein Problem.Man kann sich überfordern und die Verletzungsgefahr steigt.Genauso wie zu schnelle Erhöhung von Häufigkeit, Intensität und Dauer beim Laufen ist das plötzliche Beschleunigen und Abbremsen bei Ballsportarten ein reelles Verletzungsrisiko.

Doch nun zu den positiven Aspekten.
Ich glaube, dass die vermehrte Durchblutung und die Verbes­serung der Atmung sehr gesund sind.Man fühlt sich dadurch um etwa 10 Jahre jünger, es steigt also die Lebensqualität.Allerdings hält die Wirkung nicht an, man muss also jahrelang immer in Bewe­gung bleiben, um diesen Vorteil zu genießen.Luft, Wasser, Wärme und Nahrung sind sehr gut für die Zellen im Körper.

Auch Yoga hat mir sehr geholfen.Man bekommt durch Yoga eine sehr gute Beziehung zu seinem Körper.Wenn man an wichtigen Bereichen der Beweglichkeit, an Brustkorb, Wirbelsäule und Extre­mitäten arbeitet, hilft das für die Lebensqualität der zweiten Lebenshälfte.

Besonders wichtig für CED-Patienten halte ich die entzündungshemmende Wirkung des körperei­genen Cortisols.Ich habe allerdings festgestellt, dass dies nur nach großen Anstrengungen, etwa Steigungen mit mindestens 150 Höhenmetern und bzw.nach etwa zwei Stunden starker Anstrengung eine Wirkung merkbar ist.Allerdings weiß ich nicht genau, welche Hormone ich deutlicher spüre, Corti­sol oder Serotonin.Jedenfalls glaube ich, dass sich die Nahrungsverträglichkeit nach entsprechenden Anstrengungen gebessert hat.

Am meisten glaube ich an die entzündungshem­mende Wirkung von Vitamin D.Besonders hohe Dosen an Vitamin D bekommt man nicht durch Medikation, sondern durch Sonneneinstrahlung.Daher braucht man Vitamin D besonders im Winter.Es macht für mich keinen Sinn, im Winter nur das Gesicht in die Sonne zu halten.Davon altert leider die Haut, was mehr schadet und den Nutzen meiner Meinung nach übertrifft.Damit die Sonne richtig wirken kann, muss man sich zuerst gut aufwärmen und mehr Körperoberfläche der Sonne zuwenden.Ab etwa 10 Grad Außentemperatur kann man bloß Badebekleidung anziehen und den Wärmeverlust durch Gymnastik wettmachen.

Im Sommer gilt, dass man ungeschützte Haut höchstens eine halbe Stunde (oder nur 10 Minuten) direkter (aber fast im gleichen Maß auch indirekter) Sonnenausstrahlung aussetzen soll.Im Winter ist die Sonne durch den niedrigeren Sonnenstand durch die Atmosphäre abgeschwächt.Die zeitliche Obergrenze ergibt sich im Winter eher durch die Auskühlung.Achtung: Sport mit ausge­kühltem Körper schädigt leider die Sehnen.Kälte ist ziemlich ungesund.
Leider ist ausreichend Vitamin D keine Garantie für Remission, aber es hilft mehr als manches Medikament.
Genauso ungesund wie Kälte ist auch Zuckerman­gel nach dem Sport.Zuckermangel ist aber ein schwieriges Thema, da man im Ausdauersport zur Vermeidung des Zuckermangels den Fettstoffwech­sel trainieren muss, wofür man längere Zeit unter gewissem Zuckermangel trainieren muss.

Interessant finde ich den bei mir beobachteten Zusammenhang zwischen Körperwärme und An­fälligkeit für Virusinfektionen.Als ich das erste Mal mit dem Fahrrad 21 km ins Büro fuhr, verkühlte ich mich.Demnach ist Sport also nicht gesund.Ich fuhr aber öfter mit dem Fahrrad ins Büro und verkühlte mich nie wieder.Also ist Sport doch gesund.Wie kann man das verstehen? Ich glaube, dass sich der Körper erst an die betreffende Aktivität gewöhnen muss.Gewisse Körperpartien sind dem Fahrtwind stärker ausgesetzt, dürfen nicht so stark schwitzen und müssen mehr durchblutet werden.In einer Stunde kann sich der Körper darauf noch nicht einstellen.

Noch etwas scheint mir dabei wichtig zu sein.Die Muskelmasse nimmt durch sportliche Betätigung zu und kann mehr Wärme abgeben, wenn sie be­nötigt wird.Dadurch werden Verkühlungen weniger wahrscheinlich.

Mein persönlicher Bericht von meinen Sportakti­vitäten
Nun will ich mehr meine persönlichen Eindrücke schildern.Nach meiner Bauchoperation 2009 ging ich oft spazieren.Das war auf Wanderwegen, oft durch einen Wald, am schönsten.Da sah man auch oft Läufer.Ich probierte, manchmal ein Stück zu laufen.Bei einer längeren Wanderung, 40 km in zwölf Stunden, bekam ich Hochachtung vor Mara­thonläufern, die dieselbe Distanz in zwei Stunden zurücklegen.Ich war nämlich nach der Wanderung sehr erschöpft.Übrigens eignet sich eine so lange Wanderung sehr gut zum Abnehmen, an diesem Tag und an den zwei folgenden Tagen war ich auch nach dem Essen immer noch hungrig.

Bei meinem ersten richtigen Training lief ich 9 km in eine Richtung.Ich musste wieder nach Hause, also probierte ich die Stecke zurück zu laufen.Ab der Hälfte der Strecke taten mir die Wadenmuskeln weh.Auch die Knie machten sich bemerkbar.Ich lief den Rest etwas langsamer und hielt durch.Also war ich bei meinem ersten Lauf 18 km weit gelaufen.Man soll nicht gleich 18 km laufen, ohne sich darauf vorzubereiten.Ich tat es aber. Ich wollte einmal an einer Laufveranstaltung teil­nehmen.Ich meldete mich bei meinem ersten Lauf zum Halbmarathon und nicht zu einem Staffellauf an, da ich glaubte, viel zu langsam zu sein.Ich wollte keiner Staffel die Zeit vermiesen.So schlecht ging der Lauf dann doch nicht, meine Zeit war nur leicht unterdurchschnittlich und ich war zufrieden.Allerdings war ich danach sehr erschöpft und die Knie waren etwas geschwollen, schmerzhaft und unbeweglich.Die nächsten Halbmarathons gingen ziemlich gut, im Frühjahr zeigte sich Pollenallergie, was das Training etwas behinderte.Danach musste ich pausieren, da ich wahrscheinlich beim Gehen und besonders beim unvorsichtigen Treppen- Abwärtsgehen meine Achillessehne übermäßig beanspruchte und sich der Calcaneus (Fersenkno­chen) entzündete.Die Entzündung dauerte etwa ein halbes Jahr.

Im darauffolgenden Winter hörte ich, dass eine Bekannte für ihren ersten Marathon trainierte.Ich versuchte auch zu trainieren, aber meine maximale Trainingsdistanz war nur 18 km.Schon bei den Halbmarathon-Läufen hatte ich bemerkt, dass ich ab 15 Kilometern mein Tempo aus Erschöpfung reduzieren musste.Ich dachte mir, dass jemand mit Morbus Crohn wohl nie einen ganzen Marathonlauf schaffen kann.

Ich nahm Kontakt zur Bekannten auf und verein­barte mit ihr einen Trainingslauf.Sie lief zu der Zeit bereits um die 30 km.Sie sagte zu mir, dass ich nur etwas essen müsste, wenn ich erschöpft sei, zum Beispiel Müsliriegel.Ich nahm zu unserem gemeinsamen Trainingslauf Maltodextrin mit und ließ mir beim Laufen einen Müsliriegel geben.Wir tranken auch öfters Wasser.Und wirklich, der Rat hatte geholfen.Wir liefen gemeinsam 35 km.Es war an dem Tag kühl und leicht regnerisch.Ich bekam danach eine leichte Virusinfektion.

Dann liefen wir unseren ersten Marathon.Ich hatte mir meine ersten richtigen Laufschuhe eine Woche vor dem Marathon gekauft.Das soll man nicht so tun, aber ich hatte Glück, dass mir die Schuhe wirklich gut passten.
Wir waren gut vorbereitet.Bis 35 km ging es recht angenehm dahin.Ich machte auch ein paarmal Späße ...die, wie sich später herausstellen würde, Kraft kosteten.Ab dann wurde es hart, aber wir waren nicht die einzigen, die das spürten.Ich hatte ein Gefühl wie über ein Schlachtfeld zu laufen, als ich unter den spärlichen übriggebliebenen Läufern die letzten Kilometer an einigen Läufern vorbeizog, die nur mehr gehen und nicht mehr laufen konnten.Wir brauchten beide 4:12 bzw.4:15 Stunden.

Die nächsten Marathons liefen recht gut.Bei meinem zweiten Marathon musste ich ziemlich bald aufs Klo.Ich fand ein Mobilklo und nachdem ich mit meinem Durchfall fertig war, konnte ich mich mit Wasser aus meiner Wasserflasche reinigen.Es war ein netter Lauf.Ich hatte die Möglichkeit mich während des Laufes lange zu unterhalten.Nach dem Lauf war ich recht zufrieden.

Meinen dritten Marathon ging ich zu schnell an.Nach 20 km war ich erschöpft und es wurde heiß.Von da an musste ich bei jeder Labestation stehen­bleiben.Dennoch war es neben dem ungeplanten Halbmarathon-Rekord meine damalige persönliche Marathon-Bestleistung, unter 4 Stunden.Nach dem Lauf ließ ich es mir bei Bekannten gutgehen.Bei meinen nächsten Marathons versuchte ich, mir die Geschwindigkeit gut einzuteilen.Das gelang mir beim übernächsten Marathon ganz gut.

Im Winter wollte ich fit bleiben, da ich von einem 4-Stunden-Lauf im Februar träumte.Durch eine Empfehlung von meinem Yogalehrer war ich bereits Fitnessstudio-Mitglied und ich konnte auch am Laufband trainieren.Es war sehr hart ein hohes Tempo zu halten.Außerdem überhitzte man sich dabei leicht.Schließlich fand ich einen passenden Laufband-Pause-Rhythmus.Es gab manche warme Tage im Winter und ich konnte sie zum Laufen im Freien nutzen, da es mir bei meiner Arbeit möglich ist, einzelne Tage so kurzfristig freizunehmen, dass der Wetterbericht schon zuverlässig genug ist.

Kurzfristig meldete ich mich zum bereits erwähnten 4-Stunden-Lauf an.Es war ein sehr netter Lauf mit persönlicher Zeitnehmung.Ein(e) Zeitnehmer/ in war für etwa 10 Läufer zuständig und man begrüßte einander bei jeder Runde von etwa 3 km Länge.Dieser Lauf war Dank der freiwilligen Helfer auch der kostengünstigste Lauf.Er war für mich ein Erfolg, da ich in vier Stunden die Marathondistanz schaffte und noch weiter laufen konnte.

Deshalb wollte ich größere Distanzen auspro­bieren.Die nächste Gelegenheit kam bald, ein 6-Stunden-Lauf.Es war auch ein netter Lauf um Pferdekoppeln herum.Ich verfehlte mein Ziel, in 6 Stunden 60 km weit zu kommen, nur knapp.Es wurden 59,6 km.Zwei Jahre nachdem ich gedacht hatte, dass ich nie die Marathondistanz schaffen würde, war das eine erfreuliche Leistung.

Dann kam die Marathonsaison.Bereits 2014 wollte ich an zwei Marathons hintereinander teilnehmen.Ein paar Tage vor dem zweiten Marathon wurde ich jedoch krank.In jenem Jahr, 2015, ging es besser.Ich lief einen guten Marathon in Wien, dann eine Woche später einen in Linz.

Ich dachte, dass ich wegen der Anstrengung in Wien diesmal nur langsamer sein könnte und entsprechend hatte ich mit einer Bekannten einen Treffpunkt ausgemacht.Es lief aber wunderbar, ich kam 10 Minuten zu früh zum Treffpunkt bei 21 km, so verpasste ich das Treffen.In Summe war es mein schnellster Marathon.

Beflügelt durch den Erfolg wagte ich, mich kurzfris­tig für den dritten Marathon in Serie anzumelden.Ich wollte genauso schnell sein wie zwei Wochen davor beim ersten Marathon.Der dritte Marathon lief nicht so gut.Es war genauso heiß und sonnig wie bei den anderen.Da ich nicht mehr so viel Sonne mitbekommen wollte, lief ich langärmelig.Dadurch hatte ich es noch heißer und ich schaffte die Strecke gerade noch unter 4 Stunden.

Dann fand ich in meiner Laufplanung einen inte­ressanten Berglauf.Eine, zwei, oder drei Runden zu je 21,1 km.Kühn wie ich war, meldete ich mich gleich für die 63 km an.Dabei wusste ich nicht, ob ich den Lauf innerhalb des 8:30 Stunden Zeitlimits schaffen würde.Die erste Runde ging überra­schend gut und die zweite Runde erwartungsge­mäß etwas schwerer.Die dritte Runde begann sehr hart.Es ging mir auch das Trinkwasser aus.Bis ich zur nächsten Labestelle kam, schien mir eine Ewig­keit.Doch dann ging es wieder besser.Ich hatte die drei Runden in unter 7:30 Stunden geschafft.
Es gab noch weitere Gelegenheiten für Ultraläufe.Mit etwas schlechtem Gewissen, meine Familie noch mehr zu vernachlässigen, meldete ich mich zu einem 100 km-Lauf an.Der Lauf ging sehr gut.Ich startete mit niedrigem Tempo um 6:00 Uhr.Ich hatte Unmengen von Nudeln gegessen, um meine Glykogenspeicher zu überfüllen.In der sechsten Runde hatte ich extreme Bähungen und musste einen Mobilklo-Stopp einlegen, der mühsam war.Dann ging es weiter.Es war Hitze über 30 Grad angesagt.Nach etwa 40 km wurde ich langsamer.Es wurde noch heißer.Ich trank jede Runde drei halbgefüllte Becher, je einen mit Wasser, einen mit isotonischem Getränk und einen mit Maltodextrin- Lösung.Inzwischen waren die ersten bereits im Ziel.In den letzten Runden spürte ich, dass es kühler wurde.
Ich rechnete nach, ob sich die 100 km in dem vor­geschriebenen Zeitlimit von 12 Stunden ausgehen würden.Nein, es ging sich nicht aus, ich war eine Minute hinten.Also musste ich in den letzten 7,5 km zulegen.Erstaunlicherweise ging das.Ich legte zwei überdurchschnittlich schnelle Runden hin und nahm mir für die letzte Runde ein hohes Tempo vor.Ich konnte das hohe Tempo halten und lief die letzten 200 m noch schneller, so schnell ich konn­te.Da ich als Letzter ins Ziel kam, waren dort viele Läufer und Begleiter versammelt und ich bekam viel Applaus für meinen Zielsprint.Die letzten drei Runden waren wirklich gut gewesen.Ich konnte statt der einen Minute, die mir fehlte, neun Minuten aufholen.

Im Juni fand ein besonders attraktiver Berglauf statt.Er war 54 km lang und wunderschön.Im Tal regnete es zwar leicht, aber es war nicht unange­nehm.Gott sei Dank wurde die hochalpine Strecke freigegeben, da der Gipfel wolkenfrei war.

Die ersten 10 km gingen bergauf.Manche Läufer liefen langsam, manche gingen einfach.Da ich wusste, dass ich mit meinen Kräften haushal­ten musste, machte ich es genauso wie sie.Ich bemerkte jedoch, dass mein Gehtempo etwas langsamer war als das der anderen.Also wählte ich einen Mix aus Gehen und Laufen.Auf ebenen Stellen lief ich.
Bei 18 km konnte man den Berggipfel noch in der Ferne sehen.Etwa eine halbe Stunde später waren wir oben, nahe beim Gipfel.Ich begrüßte einige bekannte Läufer.Erstaunlicherweise konnte ich ein paar sehr erfahrene Marathonläufer überholen.Oben war es kalt.Ich hatte genügend Kleidung bei mir, aber ich zog sie nur an, wenn es wirklich nötig war, da man am schnellsten ist, wenn man sich etwas kühl fühlt.

Einmal kam ich in eine Kuhherde.Ich wich aus, was gar nicht so eine gute Idee war.Das Gras war abseits des Weges sehr hoch und unwegsam.Außerdem machte sich eine Kuh Sorgen um ihr Kalb, an dem ich vorbeilief.Wäre ich in der Mitte der Herde auf dem Weg geblieben, hätte die Kuh nicht um ihr Kalb heraumlaufen müssen.Ich war aber noch in genügend Abstand.

Schließlich kam ich bei etwa 32 km an eine Labe- und Wechselstation.Von da an sollte es bergab gehen.Anfangs war das so, aber dann schien es immer wieder leicht bergauf zu gehen.Zweimal ging es sogar steil bergauf.Aber da ich schon anfangs bergauf nur ging, machte ich es hier genauso.Ab der letzten Labestation ging es endlich wirklich bergab.Ich spürte einen kleinen Stein im Schuh, der nicht von seinem Platz unter meiner Ferse weichen wollte.Ich dachte mir, dass ich so kurz vor dem Ziel keine Zeit verlieren wollte.Im Nachhinein betrachtet hätte ich mir lieber 30 Sekunden Zeit genommen und mir einen kleinen blauen Fleck unter der Ferse erspart.

Eine Woche später fand ein 24 Stunden-Lauf statt.Ich dachte mir, dass ich ja Erfahrung mit 100 km in zwölf Stunden hatte und meldete mich einfach an.Ich war ziemlich nervös und besuchte die Renn­strecke bereits am Vortag zu Fuß, da ich ein Hotel in 6 km Entfernung hatte und da ich ohne Auto unterwegs war.Das waren jedoch 12 km extra.
Ich nahm mir in den ersten 12 Stunden 100 km vor und für die restlichen 12 Stunden 50 km.Die 100 km sollten sich in 12 Stunden ausgehen, da diesmal die ersten 12 Stunden bei angenehmen Temperaturen in der Nacht zu erwarten waren und ich bereits einmal 100 km bei in großer Hitze in 12 Stunden geschafft hatte.Die 100 km gingen sich aber nicht aus.Die ersten 3 Stunden nach dem Start blieb es heiß.Nach den ersten 25 km wurde es zäher und ich kam langsamer voran.Schließlich schaffte ich 88 km in 12 Stunden.Leider hatte ich auch nicht viel Reserve, ich konnte einfach nicht schneller.

Nach einer weiteren halben Stunde kam das Aus.Die Erschöpfung und der Nahrungsmangel waren so arg, dass ich nicht einmal mehr richtig gehen konnte.Ich musste eine Pause einlegen.Ich legte mich schlafen, aber ich konnte nicht gleich einschlafen.Nach einer Stunde WC, Liegen, WC und Liegen konnte ich endlich um 8:30 Uhr einschlafen.Um ca.10:30 Uhr wachte ich wieder auf.Ich erhob mich, noch immer ziemlich erschöpft, zog die fürchterlich stinkenden Schuhe an und probierte wieder zu laufen.Nach etwa einer halben Runde ging es sehr gut.Ich konnte wieder laufen und fühlte mich gut.

Es wurde dann doch sehr warm.Die gesamte Strecke bot keinen Schatten, es hatte über 30 Grad.Ich sprayte mich mit Sonnenschutzmittel ein, das ich gut vertrug.Ich wollte dennoch die Mittagssonne vermeiden.Also pausierte ich wieder, diesmal zwei Stunden.Als ich wieder zu laufen anfing, war es noch wärmer und ich konnte nicht schnell laufen.Aber auch andere konnten nicht mehr schnell laufen.Beispielsweise überholte mich die spätere Siegerin einen matten halben km/h schneller als ich.

Mit einem Mix aus Laufen und Gehen ging es dann bis zwei Stunden vor dem Schluss.Ich war weit unter meinen Erwartungen, aber ich versuchte, vornehmlich zu laufen.Für die Schlussrunde hatte ich mir eine besondere Freude vorgenommen.Ich nahm mir zwei Runden vor Schluss Zeit, aß zwei Stück Kuchen und trank ausgiebig.Dann lief ich eine durchschnittliche vorletzte Runde zur Ver­dauung und eine extrem schnelle letzte Runde.Ich bekam viel Applaus auf der Schlussrunde.

Ich hörte nach dem Rennen, dass man so große Distanzen mit genügend Regenerationsabstand planen sollte.Deshalb war es kein Wunder, dass ich eine Woche nach dem Extrem-Berglauf mein sportliches Ziel nicht ganz erreicht hatte.
Ich bekam auch Angst vor Schädigungen und ich pausierte zwei Monate.Ich merkte danach, dass mich die Pause viel langsamer machte.Also begann ich wieder behutsam mit Training und lief noch einen Marathon.

Um meinen Körper zu schonen, habe ich beschlos­sen, in den folgenden paar Jahren keine großen Distanzen mehr zu laufen.Ich hatte nämlich Läufer kennengelernt, die mit über 60 noch ausgezeichnet laufen, und solche, die mit über 80 Jahren noch die Marathon-Zeitlimits schaffen.Außerdem habe ich von einigen hundertjährigen Läufern gelesen, dass sie erst mit über 80 begonnen haben.Also kann auch ich mir Zeit lassen.

Meine Krankengeschichte
Zum Abschluss ein Auszug aus meiner Krankenge­schichte (nur das, was zu Morbus Crohn relevant sein dürfte):
geb.1964
1983 höchste Körpermasse, danach Abnahme
1994 Analfisteln, OP, Diagnose Morbus Crohn, Medikation Mesalazin
2004 Verschlimmerung, entzündlicher Tumor, nach Glucocorticoiden Medikation Azathioprin
2009 Verschlimmerung, Dünndarmfisteln, OP, Medikamente abgesetzt
2010 seit damals meist Remission, Medikation phasenweise Budesonid
2011 weiterhin meist Remission, Medikation Mesa­lazin, phasenweise Budesonid.

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English version    Impressum      Sitemap      Kontakt      Letzte Aktualisierung: 06.03.2017 durch Franz Schiener