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Österreichische Morbus Crohn-Colitis Ulcerosa Vereinigung


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Therapie bei Morbus Crohn (MC)

Bei einem akuten Krankheitsschub wird meist mit entzündungshemmenden Medikamenten behandelt. Auch in der beschwerdefreien Zeit sollte die Behandlung mit langfristig wirkenden Medikamenten fortgesetzt werden.
Bei schweren Krankheitsschüben und längerem, kompliziertem Verlauf ist manchmal eine zusätzliche Ernährungsbehandlung mittels ballaststoffarmer und kalorienreicher Kost ("Astronautenkost") notwendig.

Bei mangelnder Aufnahme bestimmter Nahrungsbestandteile ist oftmals die zusätzliche Zufuhr von Eisen, Vitaminen (A, D, E, K, B12, Folsäure), Kalzium, Magnesium und Zink angezeigt. Durch Beifügung von Eisen, Folsäure und Vitamin B12 kann etwa einer Blutarmut (Anämie), durch Substitution von Vitamin D und Kalzium einer Osteoporose vorgebeugt werden.

Kann die Krankheit mit Medikamenten nicht ausreichend kontrolliert werden, müssen operative Maßnahmen getroffen werden: So können von der Krankheit schwer betroffene Darmteile entfernt werden, Heilung wird damit - im Gegensatz zur Colitis ulcerosa - aber nur in wenigen Fällen erreicht. Bei Auftreten von Engstellen (Stenosen) im Darm mit Überdehnung des davor liegenden Darmabschnitts, sowie bei Fisteln und Abszessen ist oftmals operativ vorzugehen. Bei seltenen, aber gefährlichen Komplikationen wie Darmdurchbruch (Perforation), Darmverschluss (Ileus) oder Entzündung des Bauchfells (Peritonitis) muss operiert werden.
Auch nach chirurgischen Eingriffen sollte eine medikamentöse Behandlung des Morbus Crohn fortgesetzt werden.

Pillen, Foto:Fotolia_10146733_XS
Welche Medikamente können verabreicht werden?

Kortisonfreie, entzündungshemmende Medikamente (Mesalazin, Sulfasalazin) werden bei den meisten leichten bis mittelschweren Schüben verabreicht. Ihre Wirksamkeit wird allerdings bei Morbus Crohn als mäßig angesehen.
Bei stärkeren Beschwerden werden zusätzlich auch Kortikosteroide (Prednisolon, Budesonid) verabreicht: Dies kann in Form von Tabletten, Einläufen oder Injektionen (oft mit einer Krankenhaus-Einweisung verbunden) geschehen. Budesonid als nebenwirkungsarmes Kortison-Präparat ist vor allem für Patienten mit einer Manifestation der Erkrankung am Übergang Dünn- zu Dickdarm geeignet. Kortison-Therapien sind als Dauertherapien ungeeignet.
Bei starken Beschwerden, bei denen Kortikosteroide keinen ausreichenden Effekt gezeigt haben, werden zur Langzeit-Therapie Tabletten und Injektionen mit Substanzen eingesetzt, die die körpereigene Abwehr reduzieren (Immunsuppressiva, Zytostatika).
Seit einigen Jahren steht auch ein Antikörper gegen den Tumornekrose-Faktor alpha (TNF-alpha) zur Behandlung von Morbus Crohn zur Verfügung. Dieser TNF-alpha-Hemmer (Infliximab) wird bei Versagen der anderen Therapien und bei Fisteln eingesetzt.
Seit kurzem hat ein weiterer TNF-alpha-Hemmer (Adalimumab) in Österreich die Zulassung bei MC erhalten.
Im Falle von Fisteln und Abszessen ist neben einer operativen Behandlung oft auch eine Therapie mit Antibiotika notwendig. Bei Fisteln im Enddarmbereich, die zur Haut gehen, kann auch eine alleinige antibiotische Therapie ausreichend sein.
Schwere Krankheitsverläufen können einen Krankenhausaufenthalt erforderlich machen.  

Welche sonstigen Therapien/Hilfestellungen gibt es bei Morbus Crohn?

Vor allem die oft mannigfaltigen psychosozialen Folgen der Erkrankung bedürfen einer Behandlung, die über eine rein medizinische hinausgeht. Entspannungs- oder psychotherapeutische Verfahren sollten allerdings nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung und Erweiterung der medikamentösen, diätetischen bzw. operativen Therapie angesehen werden.

In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass diversen "alternativen" Heilverfahren, die nicht oder nur unzureichend geprüft sind, bei einer schwer wiegenden Erkrankung wie Morbus Crohn mit entsprechender Vorsicht zu begegnen ist. Keinesfalls sollten Betroffene diese anstatt der von ihren Ärzten vorgeschlagenen Therapien anwenden. Sollte eine bestimmte alternative Methode vom Patienten selbst gewünscht sein, so empfiehlt es sich, mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten offen darüber zu sprechen.

Der mangelnde Informationsaustausch zwischen Patienten und Ärzten, auch über die psychosozialen Auswirkungen der Erkrankung (z.B. OP-Ängste, beeinträchtigte Sexualität), führt häufig zu Missverständnissen. So können etwa durch die Erkrankung bedingte Einbußen des körperlichen und psychischen Wohlbefindens vom Patienten subjektiv als Medikamenten-Nebenwirkungen interpretiert werden.
Da es Ärzten mitunter nicht gelingt, eine tragfähige, vertrauensvolle Verbindung zu ihren Patienten aufzubauen, verwundert es kaum, dass diese oftmals auf Heilverfahren ausweichen, die aus medizinischer Sicht fragwürdig sind, bei denen allerdings verstärkt auf die subjektiven Bedürfnisse der Patienten eingegangen wird.

Gelingt es, auf krankheitsabhängige psychosoziale Phänomene während der schulmedizinischen Therapie einzugehen, kann die Akzeptanz der Betroffenen gegenüber den als notwendig betrachteten Untersuchungen und Therapien zunehmen. Alternative Heilmethoden können dann als subjektiv unterstützende und offen benannte Ergänzung (jedoch nicht als Ersatz!) für die vom Arzt verordneten Behandlungen angewendet werden.

Einige zusätzliche Therapien haben sich in wissenschaftlichen Studien als viel versprechend erwiesen und sollen bei den Betroffenen nicht nur den Umgang mit psychosozialen Folgen erleichtern, sondern bei manchen sogar den Krankheitsverlauf mildern können.
Zu den zur Verfügung stehenden Verfahren zählen etwa:


Entspannungsverfahren

Autogenes Training kann den Betroffenen dabei helfen, die schwankenden Spannungszustände des Darms und die darauf folgende körperliche Verspannung auszugleichen. Bei Blähungen und Anspannungen der Bauchmuskulatur können zusätzlich leichte Leibmassagen angewendet werden. Auch die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson hat sich laut einigen Studien bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen des Darms bewährt. Bewegungstherapie hilft Betroffenen, die Wahrnehmung des eigenen Körperbildes zu erweitern. Entspannungsverfahren wirken beruhigend und ermöglichen den Patienten einen positiven Umgang mit ihrem eigenen Körper.


Psychotherapie

Eine stützende Gesprächstherapie hilft dabei, die oftmals vorhandene Entmutigung, Depressivität und emotionale Leere positiv zu beeinflussen. Mit therapeutischer Unterstützung können Patienten Zugang zu den belastenden psychischen und sozialen Auswirkungen der Erkrankung finden und Ansätze zur Lösung von Konflikten erarbeiten.

Vor allem wenn Kinder an Morbus Crohn erkranken, kann dies massive Auswirkungen auf ihre Lebensqualität sowie auf ihre körperliche und seelische Entwicklung haben. Familientherapie kann dabei helfen, Beziehungs- und Verhaltensmuster innerhalb einer Familie offen zu legen und Veränderungen in Gang zu bringen, die dem Kranken vor allem bei der Selbstentwicklung eine wichtige Hilfe sein können. Es hat sich gezeigt, dass in Familien eine große Bereitschaft zur therapeutischen Mitarbeit besteht, nicht zuletzt wegen der für den jungen Patienten oft sehr beeinträchtigenden psychosozialen Folgen der Erkrankung. Ähnliches gilt für die Paartherapie.


Kreative Therapieverfahren

Vor allem die assoziative Maltherapie hat sich bei Personen mit gehemmter oder mangelhafter sprachlicher Ausdrucksfähigkeit bewährt. Die Patienten stellen Gedanken und Gefühle zu ihrer Krankheit bildlich dar und formulieren anschließend Assoziationen zu dem entstandenen Bild. Im Vordergrund stehen bei Menschen mit Morbus Crohn häufig Ängste in Bezug auf die Krankheit und deren Verlauf, die Sehnsucht nach körperlicher Unversehrtheit sowie abwehrende Assoziationen. Die gemalten Bilder können über die Gedanken, die sie auslösen, den Weg zu einer Gesprächstherapie ebnen.


Gespräche mit Betroffenen

Der Kontakt zu anderen Betroffenen, hergestellt durch Patientenorganisationen wie die ÖMCCV, gibt neuen Lebensmut, hilft bei der Bewältigung der Alltagsprobleme, hilft aus der Isolation zu kommen. Im Rahmen von Einzel- und Gruppengesprächen von Betroffenen und Angehörigen werden die eigenen Erfahrungen weitergegeben. Bei Informationsveranstaltungen werden Informationen von Fachleuten aus allen Lebensbereichen angeboten.

Durch den Kontakt mit anderen Betroffenen wird die Bereitschaft, das Leben wieder in die eigenen Hände zu nehmen, erhöht. Durch positive Beispiele Erkrankter werden andere animiert, ihr Leben wieder selbständig und selbstbestimmt, ihren persönlichen Bedürfnissen angepasst, zu gestalten.


aus NetDoktor.at (teilweise gekürzt und erweitert)

Autor: Dr. Matthias Thalhammer

Wissenschaftliches Review: Prim. Univ. Prof. Dr. Herbert Tilg, Facharzt für Innere Medizin

Weiterführende Informationen finden Sie auch bei unseren Buchempfehlungen,
Berichte in der Zeitschrift Crohnicle über Vorträge:
Tipps zur Selbsthilfe bei Morbus Crohn
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