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Arzt Patienten Tagung in Leoben am 9. April 2011
Die Veranstaltung war gut besucht. Wegen dem großen Andrang mussten mehrere zusätzliche Sitzreihen im Saal aufgebaut werden. |
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Dr. Gottfried Novacek referierte über "Rauchen und Ernährung", also über den Zusammenhang von Mb. Crohn und Colitis ulcerosa mit dem "Lifestyle". Generell ist eine Zunahme, speziell von Morbus Crohn, zu verzeichnen. Weiters schiebt sich der Krankheitsbeginn immer mehr in die Jugend oder Kindheit. Vor 100 Jahren war noch die gesamte Bevölkerung von Würmern besiedelt. Die verbesserte Hygiene kann ein Grund für die Zunahme der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sein. 30% der Österreicher sind Raucher. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Rauchen und einer Verschlechterung des Krankheitsverlaufes von Mb. Crohn. Es wurde aber gezeigt, dass Raucher, die erfolgreich mit dem Rauchen aufhören, einen weiteren Krankheitsverlauf erwarten können, als ob sie niemals geraucht hätten. Mit dem Rauchen aufzuhören ist aber sehr schwer, es schaffen nur ca. 10%. Rauchen hat im Gegensatz zu Mb. Crohn aber einen positiven Einfluss auf Colitis ulcerosa. Dennoch muss man die negativen Einflüsse auf Lunge und Herz- Kreislaufsystem dagegen abwägen. Der passende Zeitpunkt für den Ausstieg aus dem Rauchen ist sehr individuell zu wählen. Körperliches Training ist im Allgemeinen zu empfehlen. Dennoch gibt es keinen erkennbaren Zusammenhang mit der Schwere der Erkrankung an chronischentzündlichen Darmerkrankungen (CED).
Ernährung: Bestimmte Stoffe können einen Einfluss auf CED haben. Beispielsweise hat Linolsäure, die in rotem Fleisch und Fisch vorkommt, einen schlechten Einfluss auf Colitis ulcerosa. Hingegen hat Ölsäure, zum Beispiel in Olivenöl, einen guten Einfluss auf Colitis ulcerosa. Im Kernöl, das ja in der Steiermark beliebt ist, sind beide Fettsäuren enthalten. Also kann hier wie bei vielen Nahrungsmitteln keine Aussage über die Wirkung auf CED gemacht werden. |
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Dr. Sylvia Judmaier referierte über CED bei Kindern und Jugendlichen. Bei Kindern und Jugendlichen sind eigene Gesichtspunkte zu beachten. Die ärztliche Betreuung erfolgt im Allgemeinen durch den Kinderarzt. Es ist besonders auf Wachstums- und Entwicklungsverzögerungen(beispielsweise auf verspäteten Einsatz der Pubertät) aufzupassen. Wie bereits von Dr. Novacek erwähnt, schiebt sich der Krankheitsbeginn immer mehr in das Jugend- und Kindesalter. Überwiegend findet sich unter den CED Mb. Crohn (60% MC, 30% CU, 10% Mischformen). Unter den Ursachen des frühen Krankheitsbeginns wird die verbesserte Hygiene vermutet. Früher entwickelte sich gegen Würmer eine Immunantwort. Diese Immunreaktion kann sich beim Ausbleiben von Würmern als Entzündung auswirken. Stillen schützt vor Morbus Crohn: gänzlich ohne Stillen besteht ein dreifaches Risiko für die Erkrankung an Mb. Crohn. Symptome: Bauchschmerzen (kommen bei jedem Kind manchmal vor). Wachstums und Entwicklungsverzögerungen. Auf der Wachstums- und Gewichtskurve sieht man, in welchem Alter mit welcher Häufigkeiten eine bestimmte Körpergröße bzw. ein Gewichterreicht wird. Chronische Durchfälle. Auch extraintestinale Symptome kommen vor.
Diagnose: Es werden Blut- und Stuhluntersuchungen durchgeführt. Besonders wenig belastend ist die Ultraschalluntersuchung. Dabei wird die Wanddicke der Darmwand vermessen. Eine Endoskopie erfolgt in Kurznarkose. Dabei können Proben entnommen werden für eine histologische Untersuchung. Seltener wird eine Dünndarmuntersuchung gemacht. Die Therapie zielt auf eine rasche Genesung, um die normale Entwicklung zu ermöglichen. Es werden Steroide (Kortison), Mesalazin, Azathioprin verwendet. Ab 6 Jahren können auch Biologika verabreicht werden. Beim Kind mit Mb. Crohn erweist sich eine Elementardiät (Astronautenkost, z. B. 6 Fläschchen am Tag) oft als hilfreich. Das Kind darf dann 6-8 Wochen nichts anderes essen. Zur Überbrückung der Zeit bis zum Wirkungseintritt von Azathioprin ist die Elementardiät gut geeignet. In der Jugend kommt es zur Bekanntschaft mit Alkohol und Rauchen. Die Jugend endet formal mit 18. Es gibt auch eine Sichtweise, dass das Erwachsenwerden erst mit 30 Jahren vollendet ist. Ganz wichtig ist daher die Überleitung der Betreuung vom Kinderarzt zum Internisten. das kann schon vor dem Erreichen von 18 Jahren aber auch später erfolgen. Der Kinderarzt soll für die Weiterleitung des jungen Patienten samt der Krankheitsunterlagen verantwortlich sein.
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Dr. Walter Hopfer berichtete über Neuigkeiten in Therapie und Diagnose. Die ECCO-Leitlinien (www.ecco-ibd.eu) für Mb. Crohn sind in einer neueren Ausgabe (2010) verfügbar als die von Colitis ulcerosa (2008, eine neuere Fassung wird bald erwartet). Unter den neuen Diagnoseverfahren gibt es die CO2-Colonoskopie, die durch die Aufnahme des CO2-Gases durch die Darmschleimhaut die Schmerzen der gewöhnlichen Luftansammlung vermeiden. Das Verfahren kann bei ausreichender Lungenfunktion angewendet werden. Hochauflösende HD-Colonoskopie liefert jetzt bessere und aussagekräftigere Bilder. Es gibt auch Färbeverfahren. Die Belastung durch eine Röntgen-Computertomografie (CT) liegt deutlich unter dem Grenzwert von 35 Millisievert. Bei dem Grenzwert ist eine gerade noch feststellbare Erhöhung des Krebsrisikos um ein Fünfzigstel zu erwarten. Die Bilder der CT sind leichter zu interpretieren als die der Magnetresonanz-Tomografie (MRT). Die MRT ist strahlungsfrei und es lassen sich Fisteln besser durch den geübten Fachmann erkennen. Biochemische Untersuchungen des Calprotektins und Lactoferrins zeigen Entzündungsvorgänge deutlich. Aber auch andere Entzündungen können den Calprotektin-Wert steigen lassen.
Therapie: Eine Remission von Mb. Crohn wird neuerdings nicht nur durch die Abnahme des CDAI (Morbus Crohn-Aktivitätsindex) erkannt, sondern auch durch die Abheilung der Schleimhaut. Ein leichter Schub mit typischem Befall der Ileocoecalregion soll durch Budesonid behandelt werden. Ein mittlerer Schub nötigenfalls auch mit systemischen Steroiden, Azathioprin und 5-Mercatopurin und Methotrexat, in bestimmten Fällen mit Anti-TNF-Medikamenten (Biologika). Ein schwerer Schub soll mit systemischen Steroiden und in bestimmten Fällen mit Biologika behandelt werden. Manchmal ist eine Operation nötig. Bei ausschließlichem Dickdarmbefall sind 5-Aminosalizylsäure,Steroide und fallweise Anti-TNF-Medikamente sinnvoll. Die Remission kann durch Azathioprin, 5-Mercatopurin, oder Methotrexat erhalten werden, bei Steroidabhängigkeit durch Anti-TNF-Medikamente.
Behandlung der Colitis ulcerosa: 5-Aminosalizylsäure topisch und systemisch. Die Behandlung richtet sich nach der Ausweitung und Schwere der Erkrankung. Daher kommt auch Azathioprin zur Anwendung. Bei schwerem Verlauf Steroide und fallweise Biologika. Zur Erhaltung der Remission ist neben 5-Aminosalizylsäure auch Escherichia Coli Nissle geeignet. 5-Aminosalizylsäure gibt es neuerdings auch in einer Form von Gel-Kapseln, die nur einmal täglich genommen werden muss. Das ist eine wesentliche Erleichterung für die Patienten, aber auch eine Schwierigkeit, die Arznei auf Rezept zu bekommen, da bei mehrmals täglicher Einnahme kostengünstigere Formen ausreichen. Es gibt neue Medikamente, die gerade getestet werden. Ein Beispiel ist Interleukin-17. Es wird aber wahrscheinlich erst in 10 Jahren als Medikament verfügbar sein. Der letzte Vortrag enthielt also ziemlich viele Einzelheiten und es war daher für die Zuhörer schwer, zu folgen.
Vom Publikum kam der Wunsch, dass der Weg zum Chefarzt durch passend ausgefüllte Rezepte nach dem Erstattungskodex erspart werden kann. Auch wurde die möglicherweise bessere Wirksamkeit von Imurek im Vergleich zu Immunoprin angesprochen, obwohl beide denselben Wirkstoff, Azathioprin, enthalten.
Frau Diplomkrankenschwester Anita Beyer machte auf die Fachgruppe CED der Krankenschwestern aufmerksam. Die Homepage ist unter www.fachgruppe-ced.at zu finden.
Anschließend gab es ein Buffet und die Gelegenheit, sich am Stand der ÖMCCV zu informieren. Es gab auch eine Verkostung von Darmreinigungsmitteln, deren Geschmack in einem Fragebogen beurteilt werden konnte.
Kuno Zhuber-Okrog
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