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„Abszesse und Fisteln – wie passt das zum Pouch“
war das Thema zum 24. Pouchtreffen am 10. und 11. Oktober 2009 in Untersiebenbrunn

Wie schwierig, kompliziert und frustrierend die Behandlung dieser Probleme sein kann, versuchte Gastroenterologe OA Dr. Thomas Feichtenschlager (Rudolfstiftung/Wien), allen Teilnehmern dieses Treffens nahe zu bringen und alle blieben interessiert, bis zum späten Schluss an seinen Lippen hängen. Fisteln sind im „Normalfall“ bei CED eine
Erscheinung des Krankheitsbildes Morbus Crohn, da die Fistel sich in tieferen Schichten des Darmes bildet und nicht an der oberflächlichen Darmschleimhaut, welche bei Colitis ulcerosa-Erkrankten der Entzündungsfaktor ist, so Dr. Feichtenschlager. Erkennung - beginnt mit Abszess (starke Schmerzen beim Sitzen, Fieber) Diagnostizierung - mittels Computertomographie Ein Abszess ist wie ein „Wasserrohrbruch“ – bei Aufbrechen, tritt Eiter nach außen und sucht sich einen Weg - es entstehen so genannte „Fistelgänge“ – Verbindungen (zB. durch den Darm zur Bauchoberfläche, After, Scheide, Hoden, Oberschenkel). Die Problematik einer Fistel bei einer ileoanalen Pouchanlage:

• oft an Nahtstellen (Anastomose) – wenn Schleimhäute nicht 100% dicht sind, (zB. wo Pouch mit Schließmuskel verbunden wird) - also eigentlich ein chirurgisches Problem und tritt meistens postoperativ auf (kurz nach Pouch-OP).
Behandlung : Aufschneiden - um Eiterentleerung zu erleichtern und um die eingedrungenen Bakterien zu bekämpfen – mittels Antibiotika Ziel ist - das Loch, wo sich die Bakterien angesammelt haben, zu schließen. Problem ist - „gute“ Bakterien, die in den Darm gehören, sterben oft durch Antibiotika ab, hingegen so manche „böse“ Bakterie bleibt dagegen resistent. Durch einen zwischenzeitlich künstlich gelegten Darmausgang (Stoma) entsteht eine größere Chance, um die Fistel erfolgreich zu behandeln, da der Fistelgang keine Nahrung durch Stuhl erhält.

• evtl. Fehldiagnose – die Möglichkeit, dass die Grunderkrankung nicht Cu sondern MC (Morbus Crohn) ist, könnte bestehen und ist nur in seltenen Fällen eindeutig festzustellen.
Behandlung: Medikamente gegen MC werden eingesetzt - Immunsystem unterdrückend wie Imurek®, Puri-Nethol®, Humira®, Remicade ®
Ziel ist – Rückbildung der Fistel Problematik – wenn der Patient das Medikament nicht verträgt, wird das Immunsystem zusätzlich geschwächt. (Nebenwirkungen: Schmerzen, Fieber …)

• bei einem perianalen Fistelproblem (rund um Schließmuskel) ist der Pouch eigentlich nicht zu halten und muss entfernt oder stillgelegt werden. Der Schließmuskel ist ein kompliziertes System von Muskeln und wenn dieses beschädigt oder gestört ist, führt es zu Inkontinenz. Eine notwendige Pouchoperation in schlechtem körperlichen Zustand des Patienten durchgeführt, ist eher zu vermeiden, da Bakterien übergreifen können und die Gefahr einer Fistelbildung sicherlich dadurch erhöht wird. Wie bei schwerer Entzündung (zB. toxischem Megacolon oder übersät mit Divertikel) ein kranker Dickdarm ausschaut und eine Colektomie (Dickdarmentfernung) unausweichlich ist, zeigte uns Sonntagfrüh OA Dr. Nikolaus Hölbling (derzeitiger Leiter der Chirurgie des Donauspitals SMZOst/
Wien). Da uns durch besondere Umstände keine Leinwand und Beamer für die Veranstaltung zur Verfügung standen, drängten wir uns alle rund um den Computer von OA Hölbling, um sicher zu sein, nichts zu versäumen,
was er uns mitteilen wollte.

Da es neben dem Ileoanalen Pouch auch noch den so genannten Kock-Pouch gibt (zwar als veraltet gilt, aber auch in Österreich gar nicht so unangewendet ist, wie angenommen), galt unser Interesse dieses Wochenende doch hauptsächlich den Fisteln. Eine gute Meldung war auch, dass notwendige Operationen (Colektomien) von Colitis-
Patienten zurückgehen durch stets bessere Medikamente. Um eine optimale Fistelbehebung erreichen
zu können, ist eine gute Zusammenarbeit (Chirurg mit Gastroenterologen) unausweichlich, betonte OA Dr. Hölbling. Wichtig sei auch, dass der Chirurg schon frühzeitig zur Behandlung hinzugezogen wird, um bei einer eventuellen notwendigen Operation, bestmöglich informiert und vorbereitet zu sein. Bei der Frage, ob der Pouch besser ganz
entfernt oder nur verschlossen werden soll, bei einem unausweichlich anzulegenden Ileostoma (wegen eines Fistelproblems), war unser Vortragender der Meinung, dass in den meisten Fällen der Pouch besser nur
stillgelegt wird, weil die Entfernung eine große Belastung für den Betroffenen darstellt und er auch einer großen bakteriellen Gefährdung ausgesetzt würde.

Er bestätigte auch, dass man unter besonderen Umständen aus dem Ileoanalen Pouch, noch einen Kock-Pouch entwickeln oder auch einen 2. Pouch anlegen kann (wie einige von uns beim Bundes-Pouchtreffen der DCCV gehört haben), aber die Belastung für den Körper und vor allem die Gefahr der Neubildung einer Fistel bleibt sehr hoch.
Ob aber das Fistelproblem mit Ileostoma dann für immer abgeschlossen ist? – Darauf wurde uns leider auch keine 100%ige Garantie gegeben!

Dass Pouch-operiert nicht gleich bedeutet, eine Vorgeschichte mit Colitis ulcerosa zu
haben - eine „Antibiotika-Colitis“ wie OA Dr. Hölbling es nannte (hervorgerufen durch Antibiotika) -durften wir dieses Wochenende auch kennen lernen. Eine junge Frau mit ihrem Partner, noch ziemlich geschockt, vor einigen Monaten nach Medikamenteneinnahme gleich den ganzen Dickdarm verloren zu haben, hörte sich tapfer an beiden Veranstaltungstagen die vielen möglichen Komplikationen bei Pouch an und fragte am Ende dennoch, das nächste Mal wieder dabei sein zu dürfen. Das war für mich doch eine erfreuliche, sehr positive Meldung, denn so hoch interessant und informativ auch dieses Wochenende war, so ernüchternd sind doch die Erläuterungen für die Betroffenen mit Fistelproblemen.

Ich wünsche Euch (auch mir), alles Gute
und dass „alle“ Komplikationen für jeden Einzelnen immer wieder positiv, (zumindest zur besseren Lebensqualität, lebenserhaltend) gelöst werden können und unser Pouch bis ins hohe Alter mitmachen kann.

Rosa Stocker

Bilder vom Treffen hier.

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