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Immer mehr Menschen haben kranken Darm

28. Mai 2010 | 08:39 | | BARBARA MORAWEC (SN)

80.000 Menschen leiden in Österreich an entzündlichen Darmerkrankungen. Immer häufiger trifft es junge Leute.

Es vergehen drei bis fünf leidvolle Jahre, ehe die richtige Diagnose gestellt wird: chronische entzündliche Darmerkrankung. Vermutlich sind mehr als 80.000 Menschen in Österreich davon betroffen, nur 15 bis 20 Prozent davon sind in spezialisierter Behandlung. Die beiden häufigsten Erkrankungen sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.
Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) stehen morgen, Samstag, im Mittelpunkt des Welttags für Verdauungsgesundheit. Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind alles andere als harmlos. Die Krankheiten sind gekennzeichnet durch häufige Durchfälle (bis zu 30 Mal am Tag), einen hohen Verlust an Nährstoffen, starke Gewichtsabnahme und Bauchschmerzen bis hin zu Gelenkserkrankungen und Perforation des Darms. Die sozialen Umstände des Betroffenen verschlechtern sich meist mit Fortschreiten der Krankheit. Manche können das Haus gar nicht mehr verlassen, verlieren Arbeitsplatz und Partner und sind sozial isoliert. Es treffe immer jüngere Menschen, sagt Walter Reinisch Leiter der CED-Arbeitsgruppe. Die stationären Aufenthalte von Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sind in den letzten 15 Jahren um 270 Prozent gestiegen. Die Zahl der Kinder unter 14 Jahren, die wegen Morbus Crohn ins Krankenhaus müssten, steige. CED wird meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr diagnostiziert.

Beim 1. Österreichischen CED-Forum in Wien berieten nun am Donnerstag Experten, wie die stark wachsende Anzahl von CED-Patienten adäquat versorgt werden kann. „Ziel ist, uns besser zu vernetzen, die Versorgung Betroffener zu verbessern und das Tabu um CED durch Information zu brechen“, sagt Walter Reinisch. Je früher die Kranken in Behandlung kämen, desto eher könne man Operationen verhindern, die sonst bei 70 bis 80 Prozent der Patienten notwendig würden. Zielgerichtete Therapien wie TNF-alpha-Blocker, die den Verlauf ganz entscheidend beeinflussten und auch für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen zur Verfügung stünden, können die Lebensqualität deutlich erhöhen. Unter www.ced-check.at kann man sich selbst im Internet testen, ob man zu den Betroffenen zählt. Für CED gibt eine erbliche Neigung, die Auslöser sind aber weitgehend unbekannt. Umweltfaktoren wie etwa schlechte Ernährung mit einem Übermaß an Fertigprodukten, Stress und Rauchen scheinen den Ausbruch der Krankheit zu begünstigen.

© SN/SW

Quelle: Salzburger Nachrichten (SN)

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