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| Datum: 18. März 2010 Thema: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen Ein Wechselspiel zwischen Körper und Psyche Referent: OA Dr. Thomas Haas Univ.-Klinik für Innere Medizin I der PMU Salzburg OA Dr. Christopher Kartnig Univ.- Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie I der PMU Salzburg Chronisch entzündliche Darmerkrankungen Ein Wechselspiel zwischen Körper und Psyche In Österreich leiden ca. 80.000 Menschen an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Jährlich treten etwa 2000 Neuerkrankungen auf - Tendenz steigend. Frauen und Männer sind annähernd gleich häufig betroffen, der Erkrankungsbeginn liegt meist im 3. Lebensjahrzehnt, ein zweiter Erkrankungsgipfel zwischen 50. und 60. Lebensjahr. Aber auch Kinder können schon von CED betroffen sein. Die Leitsymptome der CED sind: • Durchfälle – bis zu 10 mal und mehr pro Tag • Bauchschmerzen • Blutbeimengungen im Stuhl und • speziell beim Morbus Crohn das Auftreten von Fisteln (eitrige Verbindungsgänge vom Darm zu anderen Organen wie Haut, Blase, anderen Darmabschnitten, Scheide?). Auch außerhalb des Darms können Entzündungen auftreten, etwa an der Haut, an Gelenken oder an den Augen. CED sind lebenslängliche Erkrankungen, sie verlaufen meist schubförmig, die Abstände zwischen den Schüben können allerdings unterschiedlich groß sein und u.U. mehrere Jahre betragen. Da die Beschwerden oft als sehr beschämend erlebt werden, ziehen sich die Betroffenen zurück oder werden ausgegrenzt, wenn sie von ihrer Erkrankung berichten. Probleme in Familie und Beruf sind die Folge, die Lebensqualität nimmt deutlich ab. Durch die häufige Stuhlfrequenz wird der Alltag immer schlechter zu bewältigen, die Aktivitäten oft nach der unmittelbaren Verfügbarkeit von Toiletten geplant. Die Ursache der CED ist bis heute unbekannt, man kennt allerdings mittlerweile den Ablauf der Entzündung in der Darmschleimhaut sehr genau. In der Entstehung der Entzündungsreaktion spielen vermutlich Bakterien (-bestandteile) eine Rolle, aber auch Einflüsse von Ernährung und Stress werden diskutiert. Eine Heilung von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa ist bisher nicht möglich, das Ziel ist möglichst Beschwerdefreiheit und damit die Verbesserung der Lebensqualität. Um dieses Ziel zu erreichen, stehen verschiedene entzündungshemmende Medikamente zur Verfügung, die eingenommen oder als Einlauf verabreicht werden. Auch eine Umstellung der Lebensführung hinsichtlich Ernährung, körperlicher Aktivität und Rauchen kann einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung leisten ebenso wie ein veränderter Umgang mit beruflicher oder privater Überforderung oder Stress. (Text von OA Dr. Thomas Haas) Die Psychosomatische Medizin beschäftigt sich mit dem Zusammenwirken körperlicher, seelischer und sozialer Faktoren in der Entstehung, im Verlauf und in der Behandlung körperlicher Beschwerden und Erkrankungen. Ein Organsystem, das davon besonders häufig betroffen ist, ist das Magen-Darmsystem, dessen Funktion von Gefühlen wie Trauer, Ängsten oder Wut beeinflusst wird und an dem sich Belastungen durch Stress oft unmittelbar auswirken. Auch länger zurückliegende Verletzungen wie seelische oder körperliche Misshandlungen oder sexueller Missbrauch können eine Ursache für Magen-Darmprobleme sein. Wie wir heute wissen, hat dies damit zu tun, dass Magen und Darm intensiv mit Nervengewebe versorgt sind und eine enge Verbindung zum Gehirn besteht, welches somit auch die Funktion unseres Verdauungssystems beeinflusst. Man geht davon aus, dass etwa ein Drittel der Bevölkerung unter einer oder mehreren Störungen der Verdauungsfunktion leidet, ohne dass eine körperlicher Erkrankung vorliegt. Die Beschwerden reichen von Schluckstörungen, Sodbrennen, Magenschmerzen über Verdauungsprobleme, Blähungen und kolikartigen Schmerzen bis hin zu hartnäckiger Verstopfung oder Durchfällen. Auch für Menschen, die unter einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED) –Colitis ulcerosa und Morbus Crohn – leiden, gilt dieser seelisch-körperliche Zusammenhang. Sie sind durch das Auftreten und den Verlauf dieser Erkrankungen oft besonders belastet, etwa durch: • Tabuisierung der Beschwerden wie Schmerzen, Durchfälle, Blähungen, Fisteln • Eine schwierige Planung des Alltags • Beängstigende und eventuell schmerzhafte Untersuchungen • Mögliche Beeinträchtigungen der körperlichen Attraktivität • Veränderung des Körperbildes und –erlebens • Das Auftreten von Krebsängsten Viele PatientInnen reagieren mit Ängsten, Depressionen, Schlafstörungen. Sie fühlen sich immer wieder unverstanden, hilflos, ohnmächtig, isoliert, ärgerlich oder frustriert. Auch im Verlauf und möglicherweise in der Entstehung eine CED stellen belastende Gefühle und anhaltender Stress einen wesentlichen Einflussfaktor dar. Depressionen treten ca. 3 mal so häufig wie in der Allgemeinbevölkerung auf, sie stellen auch ein Risiko für einen neuerliche Krankheitsschub dar. Ängste und Depressionen können zu Bauchbeschwerden führen, auch wenn keine Entzündungszeichen mehr am Darm feststellbar sind. Die psychosomatische Behandlung bei CED und Störungen der Magen-Darmfunktion umfasst: • Ein ausführliches Gespräch über körperliches und seelisches Befinden und die Lebenssituation • Eine Analyse früherer und aktueller Belastungen und deren Auswirkung auf die Beschwerden • Eine Verbesserung der Krankheitsbewältigung • Stressmanagement • Entspannungsverfahren wie autogenes Training, Yoga, progressive Muskelentspannung oder Hypnose • Ambulante oder stationäre Psychotherapie • Medikamentöse Behandlung z.B. mit stimmungsaufhellenden, angstlösenden oder schlaffördernden Präparaten. Für eine erfolgreiche Behandlung von Erkrankungen des Magen-Darmtrakts ist die enge Zusammenarbeit verschiedener SpezialistInnen aus Bereichen wie Innere Medizin, Psychosomatik, Chirurgie und Ernährungsmedizin wünschenswert. (Text von OA Dr. Christopher Kartnig) OA Dr. Thomas Haas Univ.-Klinik für Innere Medizin I Müllner Hauptstraße 48 5020 Salzburg Tel: +43/ 662/ 4482-2802 E-Mail: t.Haas@salk.at OA Dr. Christopher Kartnig Univ.-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie I Sonderauftrag für Psychosomatische Medizin Ignaz-Harrer-Straße 79 5020 Salzburg Tel: +43/ 662/ 4483-4300 E-Mail: c.kartnig@salk.at nach oben |