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Leben mit Durchfall: 40.000 Österreicher leiden an Morbus Crohn

26.11.2009 | 14:44 | (DiePresse.com)

Immer mehr Menschen erkranken an der chronisch entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn. Eine neue Online-Plattform will Verständnis schaffen. Auch ein "Toilettenfinder"-Stadtplan ist verfügbar.

Geschätzte 30.000 bis 40.000 Menschen in Österreich leiden an Morbus Crohn (MC), einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung. Die Zahl der stationären Aufenthalte diesbezüglich sei in den vergangenen 20 Jahren um 270 Prozent gestiegen, erklärte Walter Reinisch von der Medizinischen Universität Wien bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in der Bundeshauptstadt. Trotzdem sei MC nach wie vor ein Tabuthema - ein Manifest und eine Internetplattform mit "Toilettenfinder" und Co. sollen nun aufklären.

Zahl der Patienten steigt

"Man traut sich nicht mehr außer Haus, weil man Angst hat, dass etwas passieren könnte", beschrieb Evelyn Schauer, selbst betroffen, das Leben mit MC. "Es ist eine Erkrankung, die unbehandelt progressiv voranschreitet, zu unwiederbringlichem Verlust von Darmgewebe führen kann und bis dato noch nicht heilbar ist", sagte Reinisch. MC sei weltweit im Steigen begriffen und manifestiere sich meist bei Menschen zwischen dem 15. und 40. Lebensjahr. Im Jahr 2006 wurden hierzulande rund 7.000 MC-Patienten stationär behandelt.

Erhöhtes Risiko für Dickdarmkrebs

87 Prozent der Betroffenen leiden an chronischem Durchfall, 70 Prozent klagen über Bauchkrämpfe und -schmerzen, 79 Prozent über Gewichtsverlust. Auch Beschwerden außerhalb des Magendarmtraktes wie Gelenksschmerzen können auftreten. MC geht mit einem zehnfach erhöhten Risiko für Dickdarmkrebs einher. Ein konkreter Auslöser für die Erkrankung wurde noch nicht gefunden; genetische Muster, Umweltfaktoren wie z. B. Rauchen und das Immunsystem spielen offensichtlich eine Rolle.

70 Prozent leiden an Depression

Die Diagnose erfolgt meist sehr spät, durchschnittlich nach drei Jahren, erklärte Reingard Platzer vom Landeskrankenhaus Wiener Neustadt. Dann haben laut Reinisch aber 30 bis 40 Prozent der Patienten bereits Komplikationen wie z. B. Fisteln und Darmverengungen. Betroffene fühlen sich durch die Erkrankung oft stark eingeschränkt: 38 Prozent der Patienten sind laut einer Umfrage erwerbslos, rund 70 Prozent leiden an Depression.

Online-Plattform soll Betroffenen helfen

Ein von Betroffenen erstelltes Manifest soll nun über MC informieren und Verständnis schaffen. Es ist auf der ab sofort zugänglichen Online-Plattform "www.crohnhilfe.at" zu finden, ebenso wie Informationen über die österreichweite Aktion "Crohn Friendly Place": Ein Verzeichnis mit Lokalen und Unternehmen, die Betroffenen nach Vorzeigen eines eigenen Ausweises rasch Zugang zu Toiletten ermöglichen. In Wien sind bereits mehr als hundert Betriebe dabei. Für das rasche Auffinden einer Toilette sorgt auch der "Toilettenfinder", der auf jedem internetfähigen Handy abgerufen werden kann und öffentliche Toiletten auflistet bzw. die nächste Toilette zum Standort des Nutzers anzeigt. Als weiterer Partner der Initiative konnte auch "tupalo.com" gewonnen werden, ein online-Telefonbuch, das sämtliche Crohn Friendly Places anführt.

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