16.06.2009
Aufruhr im Darm
Vor 125 Jahren wurde der amerikanische Arzt Burrill Crohn geboren
Von Martin Koch
Der amerikanische Gastroenterologe Burrill Crohn beschrieb 1932 erstmals ausführlich die später nach ihm benannte Krankheit Morbus Crohn. Oft findet sich in der Bezeichnung einer Krankheit der Name jenes Forschers wieder, der sie entdeckte. Man denke nur an Alzheimer, das Pfeiffersche Drüsenfieber oder die erbliche Nervenkrankheit Chorea Huntington.
Auch das chronisch-entzündliche Darmleiden Morbus Crohn (MC) gehört in diese Reihe, denn es war Burrill Crohn, der sie zuerst beschrieb. Es sei allerdings nicht verschwiegen, dass ihm der polnische Chirurg Antoni Leniowski dabei 1904 gewissermaßen vorausgeeilt war. Doch Leniowski fand seinerzeit nicht die nötige Anerkennung in der Fachwelt. Und noch heute sucht man seinen Namen als Eintrag in dem ansonsten gründlichen Online-Lexikon Wikipedia vergebens.
Burrill Crohn wurde am 13. Juni 1884 als Sohn eines jüdischen Petroleumhändlers in New York geboren. Er studierte Medizin an der Columbia University und erwarb mit 23 Jahren den Doktortitel. 1911 ließ er sich als praktischer Arzt nieder und arbeitete nebenher als Forscher am Mount Sinai Hospital in New York. Hier galt sein besonderes Interesse der chronischen Darmerkrankung Colitis ulcerosa, bei deren chirurgischer Behandlung er Anfang der 30er Jahre im Dünndarm auf jene Entzündung stieß, die heute seinen Namen trägt. Trotz dieses Erfolgs, der ihm Weltruhm bescherte, war Crohn bis zu seinem 91. Lebensjahr als praktischer Arzt tätig. Er starb am 29. Juni 1983 in Connecticut. Obwohl die Crohn-Krankheit seit vielen Jahren intensiv erforscht wird, ist ihre Ursache bis heute unbekannt. Crohn selbst hatte den Verdacht, dass intrazelluläre Bakterien oder Viren die Entzündung auslösen, konnte dies jedoch nicht beweisen. Heute wird Morbus Crohn zu den Autoimmunkrankheiten gerechnet, denn die Symptome lassen sich gut mit Medikamenten behandeln, die das Immunsystem hemmen – wie Cortison oder Azathioprin.
In Deutschland leiden rund 320 000 Menschen an Morbus Crohn. Und jedes Jahr kommen etwa 4500 neue Fälle hinzu. Männer und Frauen erkranken etwa gleich häufig – zumeist im Alter zwischen 15 und 35 Jahren. Aber auch Kleinkinder und ältere Menschen sind gegen die chronische Darmentzündung nicht gefeit. Zu den typischen Krankheitszeichen gehören krampfartige Leibschmerzen, die vor allem im rechten Unterbauch auftreten. Weitere Symptome sind breiig-schleimige Durchfälle, Fieber, Übelkeit und Erbrechen. Zudem klagen die Betroffenen über Schwäche und Müdigkeit und verlieren nicht selten an Gewicht.
Wie man inzwischen weiß, wird Morbus Crohn in Familien vererbt. Wissenschaftler haben sogar einige Gene entdeckt, die den Ausbruch der Krankheit zu befördern scheinen. Aber auch Umwelteinflüsse spielen eine wichtige Rolle. So konnte unlängst nachgewiesen werden, dass bei Rauchern das Risiko, einen Morbus Crohn zu entwickeln, doppelt so hoch ist wie bei Nichtrauchern. Da es als Spätfolge der Krankheit überdies zu einer Krebsentartung kommen kann, sollten Menschen mit den oben genannten Beschwerden frühzeitig einen Arzt konsultieren.
Quelle: Neues Deutschland
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