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Datum: 04. Juni 2008

Thema: Bauchschmerzen
Harmlos oder nicht?


Referenten: Prim. Univ.-Prof. Dr. Etienne Wenzl
Leiter der Abteilung für Chirurgie, LKH Feldkirch
Prim. Dr. Dietmar Wohlgenannt
Leiter de Abteilung für Chirurgie, LKH Bregenz


Bauchschmerz, der sich nicht innerhalb kürzerer Zeit von selbst rückbildet, stellt zweifellos ein Warnsignal dar.

Definition:
Ein akuter oder chronischer Schmerz, der sich in die Bauchregion projiziert, jedoch tatsächlich im Bauchraum aber auch außerhalb des Bauchraumes seine Ursache haben kann.

Schmerztypen:
Wir können zwei wesentliche Schmerztypen unterscheiden:
1. Somatischer Schmerz: Schmerz lässt sich genau lokalisieren, kommt zumeist durch Ruhigstellung zur Beruhigung, etwa Schmerz nach einem Schlag gegen die Bauchdecke. Er umfasst Schmerz-empfindungen, die von der Haut, von Muskeln, Gelenken, Knochen oder Bindegewebe ausgehen.
2. Eingeweideschmerz (viszeraler Schmerz): dieser kommt von den inneren Organen und wir können weder die Entstehung noch den Ort des Schmerzes genau angeben. Oft kommt es zu sogenannten „Projektionen“, dh. Der Schmerz wird an einer Stelle wahrgenommen, an der gar keine Ursache dafür ist. (Ein typisches Beispiel dafür ist der Schmerz in der rechten Schulter bei Erkrankungen der Gallenblase.) Der Schmerz wird als Tiefenschmerz empfunden.

Wie entsteht Schmerz:
Überall im Körper gibt es spezialisierte Nervenzellen, die auf Veränderungen im Körper, die möglicherweise schadhaft sind, hinweisen und als Schmerz bewusst machen. Es handelt sich hier um Warnmeldungen über Nervenbahnen zum Gehirn, die auf Probleme hinweisen. Ursachen für Veränderungen, die Schmerz auslösen, sind Verletzungen, Entzündungen, Störungen der Durchblutung, Gewebsuntergang, Temperaturschäden und ähnliches mehr. Aber auch direkte Schäden oder Erkrankungen der Nerven können Schmerz auslösen ebenso wie psychische Ursachen.

Ursachen von Bauchschmerz:
Die auslösenden Organe für einen Bauchschmerz können
alle Organe des Verdauungstraktes (Speiseröhre, Magen, Dünn- und Dickdarm, Blinddarm, Mastdarm und After, Leber und Gallenwege, Bauchspeicheldrüse, Milz),
alle Organe des Hinterbauchraumes (Nieren, Harnleiter, Harnblase, Prostata),
Geschlechtsorgane (Gebärmutter, Eileiter, Eierstöcke),
Haut, Bauchdecke, Bauchfell,
aber auch Wirbelsäule bzw. die Nerven aus dem Rückenmark sein.

Diagnose:
Um die genaue Ursache für den Bauchschmerz erkunden zu können, ist es wesentlich den
a) Schmerz genau zu beschreiben:
Körperlicher oder Eingeweideschmerz
Akut oder chronisch
Lokalisation des Schmerzes (rechter oder linker Ober- bzw. Unterbauch; gesamter Bauch)
Schmerztypus (wellenförmiger Kolikschmerz, zunehmender Entzündungsschmerz, Durchbruchsschmerz mit plötzlicher Entlastung beim Durchbruch [Bsp.: Blinddarm-Durchbruch]).
b) Erfassung zusätzl. Krankheitssituationen (Bsp: Erbrechen, Blutdruckabfall/Schock, Gehunfähigkeit)
c) Spezifische weitere Untersuchungen (Labor, Röntgen etc.) durchzuführen

Kinder:
Besonders bei jungen und ganz jungen Patienten kann die Diagnose bei Bauchschmerzen oft zur Herausforderung werden. Oft hilft nur eine wiederholte Untersuchung, sich vom zugrundeliegenden Problem ein Bild zu machen.

Merksatz: Auch „undramatisch“ erscheinende Bauchschmerzen können lebensbedrohlich sein!

Bauchschmerzen (Abdominalschmerzen)

Oft sind Bauchschmerzen harmlos und vergehen nach einiger Zeit von selbst.
Ernährung, psychische Belastungen oder eine Infektion können sie verursachen. Es gibt aber auch schwerwiegende Erkrankungen, die sich durch Bauchschmerzen ankündigen.
Gerade in der Chirurgie, wo es darum geht harmlose Bauchschmerzen von lebensbedrohlichen Erkrankungen, deren Leitsymptom der Bauchschmerz ist, zu unterscheiden, ist eine rasche und effektive Abklärung notwendig. Einige Krankheitsbilder erfordern eine Diagnosestellung innerhalb von wenigen Stunden.

Neben der klinischen Untersuchung und der genauen Befragung nach der Vorgeschichte sind auch apparative Einrichtungen wie Ultraschall, Röntgen, Computertomographie, die Laboruntersuchung, eventuell die Endoskopie oder andere Spezialuntersuchungen sehr hilfreich und führen in den meisten Fällen zur richtigen Diagnose.

Manchmal ist eine Behandlung oder die Heilung nur mit einer Operation möglich. Zu den Erkrankungen, die eine sofortige chirurgische Intervention erfordern, gehören die Blutung oder der Durchbruch (Perforation) des Magen-Darm-Trakts. Die Entzündung des Wurmfortsatzes am Blinddarm (Appendicitis), die Entzündung der Gallenblase, der Darmverschluss (Ileus) durch eine mechanische Verlegung und die Verletzung innerer Organe durch ein Trauma.

Die akute Appendicitis (Blinddarmentzündung) ist mit ca. 100 Fälle pro 100 000 Einwohner die häufigste Ursache des akuten Abdomens (akuter Bauch).
Der Verlauf der Erkrankung kann von einer leichten Reizung, über die schwere Entzündung bis zum Durchbruch (Perforation) in die freie Bauchhöhle und damit zur gefürchteten Peritonitis (Bauchfellentzündung) führen. Die Appendix enthält viele Lymphfollikel (lymphatisches Gewebe) und kann sich durch Infektion mit Krankheitserregern entzünden.

Eine schwere lebensbedrohliche Erkrankung mit sehr heftigen Bauchschmerzen ist der Durchbruch des Magen-Darm-Trakts. Dabei kommt es meist durch eine vorangegangene Entzündung oder durch ein Geschwür im Magen, Zwölffingerdarm oder Darm zu einem alle Wandschichten betreffenden Defekt, einer Perforation. Dadurch tritt Luft und Magen-Darm-Inhalt in die freie Bauchhöhle, was eine Bauchfellentzündung verursacht. Die Behandlung besteht in einer sofortigen Notoperation.

Der Darmverschluss, hervorgerufen durch eine Passagebehinderung des Darmlumens, erfordert ebenfalls rasches chirurgisches Handeln. Hauptursache beim jüngeren Menschen ist die Verwachsung oder Strangbildung nach vorangegangenen Operationen. Beim älteren Menschen sind häufig Tumore Ursache eines Ileus (Darmverschluss). Auch hier besteht die Behandlung in der sofortigen Operation, um eine Lösung der Verwachsungen oder die Entfernung des entsprechend krankhaft veränderten Darmteiles durchführen zu können.

Die meisten oben genannten Eingriffe können entweder durch eine offene Operation oder über eine laparoskopische Operation (Knopflochchirurgie) durchgeführt werden.

Weitere Informationen:
Prim. Univ. Prof. Dr. Etienne Wenzl
Leiter der Abt. für Allgemein- und Thoraxchirurgie, LKH Feldkirch
Carinagasse 47, 6800 Feldkirch
Tel: +43 (0)5522 / 303 – 2400
E-Mail: etienne.wenzl@lkhf.at 
www.lkhf.at

Prim. Dr. Dietmar Wohlgenannt
Leiter der Abteilung für Allgemeinchirurgie, LKH Bregenz
Carl-Pedenz-Straße 2, 6900 Bregenz
Tel: +43 (0)5574 / 401 - 1200
E-Mail: dietmar.wohlgenannt@lkhb.at 
www.lkhb.at

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