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Forschungsförderungspreis zu Morbus Crohn
Genveränderung kann Behandlung torpedieren

WIEN – Nicht alle Morbus-Crohn-Patienten mit perianalen Fisteln profitieren von einer Antibiotikatherapie. Im Einzelfall ist es bisher schwer abzuschätzen, wem man mit Antiobiotika helfen kann und wo alternative Behandlungen notwendig sind, da Prognosemarker fehlen. Mit Letzteren befasst sich die Forschungsarbeit von Dr. Sieglinde Angelberger, Abt. f. Gastroenterologie und Hepatologie, AKH Wien, die dafür kürzlich mit dem Forschungsförderungspreis der Österreichischen Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung (ÖMCCV) gewürdigt wurde.

„Eine sich am Patienten orientierende Forschungsausrichtung ist eine wichtige Ergänzung zu der stark von der Pharmaindustrie dominierten Mainstream-Forschung“, ergänzt Prim. Dr. Peter Weiss, Abt. Innere Medizin und Psychosomatik, KH der Barmherzigen Schwestern, Wien.

Zum Background der Arbeit von Dr. Angelberger: Morbus Crohn kann sich nicht nur durch Durchfälle, Bauchkrämpfe und Gewichtsverlust manifestieren, sondern bei zirka 5 % der Patienten sind überhaupt perianale Fisteln das Erstsymptom.

Nach dem Konsensuspaper der ECCO (Europäische Morbus Crohn und Colitis ulcerosa Organisation) werden diese Fisteln initial mit Antibiotika wie Ciprofloxacin oder Metronidazol behandelt.

Zwar kann bei der Hälfte der Patienten damit ein kurzfristiger Erfolg erzielt werden, allein nach Absetzen der Therapie kehren die Fisteln häufig wieder. Schon länger forscht man nach Markern, welche die Wirksamkeit einer Therapie vorhersagen können. Erst dann wäre eine wirklich maßgeschneiderte Behandlung für die Betroffenen möglich.

Genetischer Marker
Kürzlich konnte immerhin nachgewiesen werden, dass Veränderungen im Erbmaterial, konkret Mutationen im NOD2/CARD15-Gen, das Risiko an Morbus Crohn zu erkranken, bei Europäern und Nordamerikanern deutlich erhöhen. Dieses Gen ist vor allem in spezialisierten Zellen – die antibakterielle Stoffe produzieren – im Darm zu finden.

NOD2/CARD15 spielt eine wesentliche Rolle in der Erkennung von Bakterien und in der nachfolgenden Entzündungsreaktion. Vor allem Patienten mit genetischen Mutationen in diesem Gen zeigen eine verminderte Produktion antibakterieller Stoffe im Darm. Das verstärkte Einwandern von Bakterien ist die Folge und könnte zu den typischen MCSymptomen führen.

„In unserer Studie untersuchten wir, ob genetische Veränderungen in diesem Gen einen Einfluss auf das Therapieansprechen von perianalen Fisteln auf Antibiotika haben können“, so die Preisträgerin.

Das Ergebnis zeigte, dass dem tatsächlich so ist: Das Fehlen einer Veränderung im NOD2/ CARD15-Gen ist eine Voraussetzung für die Wirksamkeit einer antibiotischen Therapie bei fistulierender MC. „Wir vermuten, dass entweder eine Verminderung der eigenen Abwehrmechanismen der Schleimhaut auf Grund der betreffenden Genmutation zu einer veränderten Darmflora führt, die dann schlechter auf Antibiotika anspricht. Oder aber, dass die – von bestimmten Schleimhautzellen abgegebenen – antibakteriellen Stoffe mit den Antibiotika zusammenwirken und so die Wirksamkeit der medikamentösen Therapie bei Patienten ohne diese Genmutation verstärken.“

Fazit: Bei MC-Patienten mit perianalen Fisteln und Mutationen im betreffenden Gen sollte man rechtzeitig therapeutische Alternativen andenken, um den Betroffenen die Nebenwirkungen einer ohnehin ineffizienten antibiotischen Behandlung zu ersparen.

Betroffenenvereinigung ÖMCCV stiftet Preis
Die Österreichische Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung vergibt seit 1990 einen Forschungsförderungspreis. „Dieser Preis soll dazu dienen, wissenschaftliche Arbeiten, die das Thema chronisch entzündliche Darmerkrankungen zu Grunde haben, zu fördern und anzuerkennen“, so Elisabeth Fiedler vom ÖMCCV. Dotiert ist diese Anerkennung mit 3500 Euro. SCH


© MMA, Medical Tribune • 40. Jahrgang • Nr. 19/2008

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