ÖMCCV HOME
Druckansicht Kleine Schriftart Mittlere Schriftart Grosse Schriftart   
Österreichische Morbus Crohn-Colitis Ulcerosa Vereinigung


Wir über uns
 
Krankheitsbilder CED
 
Termine
 
Tipps
 
Infos
Berichte von Veranstaltungen
News
Präsentation der Diplomarbeit „Der Feind in meinem Bauch“
Pressekonferenz mieses Bauchgefühl
Behindertenparkausweise werden vom Bundessozialamt ausgestellt
Pharma-App „Darm AKTIV“ hilft Colitis-ulcerosa- und Morbus-Crohn-Patienten
Kohlenstoffdioxid statt Luft zur Aufblähung des Darms
Eventaward
Patienten rufen Befunde über Internet ab
Bewährt: Internet-System erspart viele Gänge ins Krankenhaus
Duft und Desinfektion: Weihrauch
Presseaussendung zum 1. Österreichischen CED-Forum, 27. Mai 2010, Wien
Tiroler folgt Ruf der Elite-Uni
Forschungsförderungspreis 2010
Fachbereichsarbeit über Morbus Crohn (MC)
Richtungsweisende Morbus Crohn Studie
Anastacia
Vorträge von Inflammatory Bowel Diseases 2010
Pressekonferenz "Chronisch krank" 26.11.2009
CED - Wissenschaftliche Leistungen der Wiener Gastroenterologie von 1982 bis 2009
Handout Mini Med Studium
Archiv
Forschungsberichte
Recht und Rechtssprüche
Pressespiegel
Beirat
Ambulanzsuche
Arztsuche
 
Kontaktmöglichkeiten
 
Links
 
Passende Arznei für jeden Crohn-Kranken

Lokalisation und Ausprägung der Entzündungen im Darm bestimmen Wahl der Pharmakotherapie
Für eine effektive Schub-Therapie und zum Erhalt von Remissionen bei M. Crohn sind Präparate mit 5-ASA (Mesalazin), lokale und systemische Steroide sowie Immunsuppressiva wie Azathioprin und - last but not least - TNFα-Hemmer unverzichtbar. Neue Therapiekonzepte zielen etwa auf die Anwendung von Substanzen, die im Darm Bindungsstellen von Bakterien blockieren oder natürliche Immunmechanismen unterstützen.

Derzeit werde vermutet, dass chronisch entzündliche Darmkrankheiten durch eine gestörte Immunantwort auf bestimmte kommensale Darmbakterien entstehen, fassen Professor Ulrich Böcker vom Uniklinikum Mannheim und seine Kollegen die aktuelle Datenlage zusammen (Böcker, Ulrich et al: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen*).

Die Empfänglichkeit für das Auftreten der Erkrankung werde hierbei durch Gene determiniert, die für die Immunantworten, die Barrierefunktion sowie die Elimination pathogener Keime wichtig sind. Das Auftreten und die Reaktivierung der Erkrankung könne vermutlich durch Umweltfaktoren getriggert oder modelliert werden. Derzeit diskutierte Konzepte schlössen etwa den Einsatz von Probiotika mit ein, die im Darm Bindungsstellen von Bakterien blockieren.

Vorerst bleiben aber antientzündlich und immunsuppressiv wirksame Mittel das A und O einer effizienten M. Crohn-Therapie. Ihre Anwendung richtet sich danach, welche Darmabschnitte betroffen und wie stark die entzündlichen Prozesse sind.

Bei Befall der Ileozäkalregion wird topisches Budesonid (Budenofalk® 3 mg, Entocort® Kapseln) bevorzugt. Die übliche Tagesdosis ist 9 mg Budesonid. Die topische Therapie ist der systemischen nur geringfügig unterlegen, hat aber deutlich weniger unerwünschte Wirkungen. Der Nutzen von Budesonid wird in den neuen europäischen Leitlinien als klarer belegt interpretiert als der von 5-ASA (Claversal®, Pentasa®, Salofalk®).

Kommen Patienten mit der topischen Therapie nicht in Remission, werden Steroide systemisch verabreicht. Üblich ist eine Tagesdosis bis zu 1 mg / kg Körpergewicht Prednisolonäquivalent. Die meisten Patienten erhalten zwischen 40 und 80 mg täglich. Sobald eine Remission erreicht ist, sollte die Dosis rasch reduziert werden. Spezialisten weisen darauf hin, dass eine Langzeittherapie wegen der unerwünschten Kortikoideffekte vermieden werden sollte.

Bei Befall des Kolons ist Sulfasalazin eine Option. In Sulfasalazin ist 5-Aminosalizylsäure (5-ASA, Mesalazin) an das Trägermolekül Sulfapyridin gekoppelt. Zur Therapie bei Morbus Crohn zugelassen sind die Präparate Azulfidine® und Colo-Pleon® .

Bei Befall von Rektum oder Sigmoid werden zusätzlich lokal wirkende steroidhaltige Klysmen, Rektalschaum oder Suppositorien verordnet.

Etwa 30 Prozent der Crohn-Patienten sind steroidabhängig, das heißt, nach Erreichen der Remission ist die Reduktion der Steroiddosis zweimal innerhalb von sechs Monaten gescheitert. Betroffene erhalten dann Azathioprin (etwa Azafalk®, Imurek®, Zytrim®).

Jeder fünfte Crohn-Patient ist steroidrefraktär, spricht also nicht auf eine Kortikoidtherapie an. Betroffene erhalten Azathioprin. Die übliche Tagesdosis liegt bei 2,5 mg / kg Körpergewicht. Was Patienten bei einer Azathioprin-Therapie wissen müssen: Die Effekte treten erst nach etwa zwei bis sechs Monaten ein.

Infliximab (Remicade®) ist eine Option, wenn andere Therapien versagen oder die Zeit bis zum Wirkeintritt bei einer Azathioprin-Therapie überbrückt werden soll. Eine weitere Option bei schwerem M. Crohn ist Adalimumab (Humira®). Patienten können das Präparat alle zwei Wochen mittels Autoinjektions-Pen oder Fertigspritze selbst applizieren.

Erhalten Patienten in Remission keine Therapie, kommt es innerhalb eines Jahres bei 30 bis 60 Prozent von ihnen zu einem Rezidiv. Therapeutikum der Wahl zum Remissionserhalt ist Azathioprin. Damit erreicht man bei bis zu zwei von drei Patienten eine dauerhafte Remission. Empfohlen wird eine Therapiedauer von mindestens vier Jahren. 6-Mercaptopurin (1 bis 1,5 mg / kg KG) gilt als ähnlich wirksam wie Azathioprin.

Was Raucher unbedingt beachten sollten: Sie können wesentlich zum Remissionserhalt beitragen, wenn sie mit rauchen aufhören. (otc / mal)

Böcker, Ulrich et al: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen - Grundlagen, Behandlungskonzepte und Compliance, UNI-MED, 2007, ISBN 978-3-8374-1008-2

Quelle: Deutsche Ärztezeitung

nach oben


English version    Impressum      Sitemap      Kontakt      Letzte Aktualisierung: 12.07.2008 durch Franz Schiener