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Datum: 09. April 2008

Thema: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
Vorsorge, Früherkennung und Behandlung

Referenten:
Univ.-Doz. Mag. Dr. Markus Sagmeister
Abteilung für Gastroenterologie/Hepatologie am Kantonsspital St. Gallen
Prof. Dr. Christa Meyenberger
Chefärztin für Gastroenterologie/Hepatologie am Kantonsspital ST. Gallen

Krankheitsbilder
Unter den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen werden die Krankheitsbilder des Morbus Crohn und der Colitis ulcerosa zusammengefasst. Die beiden Erkrankungen weisen Gemeinsamkeiten bzgl. Entstehung, Krankheitsverlauf, Diagnostik und Therapie auf. Während die Colitis ulcersoa nur den Dickdarm befällt, ist der Morbus Crohn im gesamten Magen-Darm-Trakt zu finden. Die Ursache der beiden Erkrankungen ist nicht endgültig geklärt. Es besteht ein komplexes Zusammenspiel von vererbten Anlage (Genen) und verschiedenen Umweltfaktoren.

Beschwerden
Neben allgemeinen Krankheitszeichen, wie Leistungsabfall, Müdigkeit, Appetitverlust und gelegentlich Fieber sind die wesentlichen Krankheitszeichen durch die Erkrankung des Darmes bedingt. Es finden sich Stuhlgangunregelmässigkeiten mit schleimigen bis blutigen Stuhlgängen bis zu heftigen Durchfällen. Weiter bestehen Bauchschmerzen, die zum Teil von einer bestimmten Stelle ausgehen, teilweise auch den gesamten Bauch erfassen und sowohl krampfartig als auch andauernd bestehen können. Der entzündungsbedingten Blutverlust kann zu Blutarmut mit Schwäche führen. Bei beiden Erkrankungen können Auswirkungen nicht nur im Bereich des Darmes auftreten, sondern auch andere Organe des Körpers miteinbeziehen. So kommt es gelegentlich zu Entzündungen im Bereich der Gelenke der Arme und Beine, sowie der Gelenke der Wirbelsäule und des Beckens. Folge dieser Gelenksentzündungen sind Schwellungen, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Auch im Bereich der Haut können schmerzhafte, lila rote Hautverdickungen insbesondere im Bereich der Beine (Erythema nodosum) auftreten. Selten finden sich auch Entzündungen im Bereich der Augen. Sehr selten können auch Entzündungen im Bereich der Gallengänge mit Vernarbungen und Gelbsucht auftreten (Primär sklerosierende Cholangitis).

Untersuchungsmethoden
Für die Diagnose der entzündlichen Darmerkrankungen stehen zahlreiche Untersuchungsmethoden zur Verfügung. Am wenigsten belastend ist eine Ultraschalluntersuchung des Bauches. Es lassen sich hierbei entzündlich bedingte Verdickungen der Darmwand und Störungen der Stuhlpassage feststellen. Die genauste Untersuchungsmethode ist die Darmspiegelung. Mit der Darmspiegelung sind alle Dickdarmabschnitte und zusätzlich die letzten Zentimeter des Dünndarmes einsehbar. Es lassen sich hierbei auch Gewebsproben zur mikroskopischen Untersuchung entnehmen. Weitere Möglichkeiten zur Untersuchung des Magen-Darm-Traktes stellen Röntgenuntersuchungen mit Kontrastmittel oder die Computertomographie und die Magnet-Resonanz-Tomographie dar. Zwei neue diagnostische Verfahren sind die Kapselendoskopie und die Doppelballonendoskopie. Mit der Kapselendoskopie ist es nun möglich auch den Dünndarm genau zu untersuchen. Das zweite neue endoskopische Verfahren ist die Doppelballonendoskopie. Mit der Doppelballonendoskopie kann der gesamte Dünndarm untersucht werden und es können zusätzlich Gewebeproben genommen werden.

Behandlung
Die Colitis ulcerosa und der Morbus Crohn sind chronische Erkrankungen. Dies bedeutet, dass sie den Erkrankten einen Leben lang begleiten werden. Der Verlauf der Erkrankung kann völlig unterschiedlich sein mit harmlosen seltenen Schüben, aber auch mit schweren Schüben mit häufigen Krankhausaufenthalten. Es stehen für die Behandlung zahlreiche Medikamente zur Verfügung, die sehr individuell je nach Schweregrad der Erkrankung und Befallmuster des Darmes verordnet werden müssen. Diese Medikamente haben zunächst das Ziel einen akuten Entzündungsschub in eine Ruhephase überzuleiten und anschließend die Ruhephase langfristig zu erhalten. Seit einigen Jahren sind neuere sehr wirksame Medikamente erhältlich, die den Botenstoff Tumornekrosefaktor (TNF) im Körper hemmen und so die Entzündungsreaktion unterdrücken. Wenn die medikamentösen Maßnahmen nicht erfolgreich sind, muss gelegentlich auch ein operativer Eingriff vorgenommen werden. Eine Colitis ulcerosa ist durch eine komplette Entfernung des Dickdarmes heilbar. Im Gegensatz zur Colitis ulcerosa ist der Morbus Crohn, der den gesamten Darmtrakt befallen kann durch eine Operation nicht heilbar.

Krebsrisiko
Bei langandauernden entzündlichen Darmerkrankungen und insbesondere bei einem ausgedehnten Befall steigt nach zehn Jahren das Risiko für eine Darmkrebserkrankung an. Es ergibt sich daraus, dass nach 10 Jahren Krankheitsdauer regelmäßige endoskopische Kontrollen durchgeführt werden müssen.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. med. Christa Meyenberger
Chefärztin
Fachbereich Gastroenterologie/Hepatologie
Departement Innere Medizin
Kantonsspital
CH-9007 St. Gallen
Tel. 0041 71 494 10 65
E-Mail: christa.meyenberger@kssg.ch

PD Dr. Markus Sagmeister
Oberarzt mbF
Fachbereich Gastroenterologie und Hepatologie
Kantonsspital St. Gallen
CH-9007 St. Gallen
Tel: 0041 71 4949067
E-Mail: markus.sagmeister@kssg.ch

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