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Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Ohne kompetente Diagnose keine gezielte Therapie – Der neue CED-Check: 10 einfache Fragen geben Aufschluss

Statement Univ.-Prof. Dr. Walter Reinisch, Universitätsklinik für Innere Medizin III, Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, AKH Wien- MUW
Univ.Prof.Dr. Walter Reinisch - Copyright- Vermerk B&K/Wustinger
Foto Copyright B&K/Wustinger
Etwa 80.000 Menschen in Österreich leiden unter Chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED), also der Crohn-Krankheit (Morbus Crohn) und Colitis ulcerosa. Das entspricht etwa einem Prozent der Bevölkerung und ist somit mit der Rheumatoiden Arthritis vergleichbar. Einige Zahlen und Fakten über diese in der Öffentlichkeit noch immer zu wenig bekannten Krankheiten:

Krankheitsbild – psychische, soziale und sozialökonomische Konsequenzen

• Etwa 90 Prozent der CED-Patienten leiden phasenweise bis lebenslang an Durchfall bis hin zur Inkontinenz, 85 Prozent an Bauchschmerzen.
• Häufig sind Blutbeimengungen im Stuhl und Fistelbildungen: eitrige Verbindungsgänge vom Darm zu Haut, Darm, Blase, Scheide, Muskulatur, etc.
• CED beginnen meistens im Alter zwischen 20 und 40 Jahre.
• Das Risiko für Dickdarmkrebs ist bei CED auf das bis zu 10-fache erhöht.
• 15 Jahre nach Diagnose müssen sich 34 Prozent der Patienten einer Operation am Darm, 14 Prozent zwei Operationen, und 22 Prozent drei oder mehreren Operationen unterziehen – bis hin zur Dickdarm-Entfernung und dem Einsetzen eines künstlichen Darmausganges.
• Häufig müssen CED-Patienten ihren Aktionsradius nach der unmittelbaren Verfügbarkeit einer Toilette orientieren bzw. Windeln tragen.
• Die eintretende Beeinträchtigung der körperlichen Aktivität bedingt häufig sozialen Rückzug, Angststörungen und Depression. Abhängig von der Krankheitsaktivität ist dies in bis zu 70 Prozent der Fälle zu beobachten.
• 30 bis 40 Prozent der Patienten verlieren aufgrund der Erkrankung ihre Beschäftigung.
• Konfliktsituationen in zwischenmenschlichen Bereichen führen zu Verlusten von sexuellen Beziehungen und Freundschaft.

Enorme direkte und indirekte Kosten für das Gesundheitssystem
Gesundheitsökonomische Daten zu CED sind aus Österreich noch nicht verfügbar. Für Deutschland wurden durchschnittliche direkte und indirekten Kosten von 17.098 Euro pro Patient pro Jahr berechnet. Ausgehend von einer Prävalenz von 80.000 Patienten würden CED, in Umsetzung der Zahlen aus Deutschland, in Österreich Jahreskosten von fast 1,4 Milliarden Euro verursachen, und umgesetzt auf eine 40-jährige Erkrankungsdauer Gesamtkosten von rund 55 Milliarden Euro bedingen. Durch adäquate Versorgung der Patienten ließen sich vor allem die indirekten Kosten deutlich senken.

Späte Diagnosen verhindern frühzeitige Therapien und verschlechtern die Prognose
Angesichts dieser Faktenlage ist die Tatsache dramatisch, dass viele Betroffene erst sehr spät in den Genuss einer adäquaten medikamentösen Therapie kommen. Fehlende bis zögerliche Überweisung der Patienten an Spezialisten bewirkt eine Verzögerung der Diagnosestellung bis zu acht Jahren bei Morbus Crohn, und bis zu zwei Jahren bei Colitis ulcerosa.

Besonders wichtig ist also die Aufklärung der Bevölkerung, und eine optimale Kooperation zwischen Gastroenterologen und gut informierten Allgemeinmedizinern. Ein entsprechendes Konsensus-Statement der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM) in Kooperation mit der Arbeitsgruppe für CED ist in Vorbereitung.

Zunehmender Versorgungsbedarf in Österreich
Basierend auf einer weiteren jährlichen Zunahme der stationären Aufnahmen um 300 Patienten mit der Diagnose CED und der Tatsache, dass ca. 10 Prozent aller CED-Patienten einer stationären Behandlung pro Jahr bedürfen, ließe sich eine jährliche Zunahme der Prävalenz von CED in Österreich um 3.000 Patienten ableiten. Bei durchschnittlich drei ambulanten Kontakten pro Patient/Jahr mit einer Dauer des Erstgesprächs von einer Stunde und einer Dauer für einen Kontrolltermin von 30 Minuten würde sich für die Versorgung von CED Patienten ein jährlicher zusätzlicher Zeitaufwand von 6.000 Stunden ergeben.
Aufnahme von CED in den Österreichischen Strukturplan Gesundheit wünschenswert
Aus medizinischer Sicht ist deshalb zu fordern, dass CED in den Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG) aufgenommen werden, damit es endlich einen klaren Versorgungsauftrag gibt.

CED-Check: 10 einfache Fragen geben Aufschluss
Weil eine möglichst frühzeitige Diagnose von so zentraler Bedeutung ist, wurde jetzt ein CED-Test erarbeitet, der rasch und einfach Hinweise auf eine mögliche CED geben kann:

1. Besteht/bestand länger als 4 Wochen Durchfall (= mehr als 3 flüssige Stühle pro Tag) oder wiederholte Episoden von Durchfällen?
2. Besteht/bestand länger als 4 Wochen Bauchschmerzen oder wiederholte Episoden von Bauchschmerzen?
3. Besteht/bestand regelmäßig oder wiederholt über mehr als 4 Wochen Blut im Stuhl?
4. Bestehen/bestanden nächtliche Bauchbeschwerden wie Bauchschmerz oder Durchfall?
5. Besteht/bestand regelmäßig oder wiederholt über mehr als 4 Wochen schmerzhafter Stuhldrang?
6. Bestehen/bestanden Fisteln oder Abszesse im Analbereich?
7. Besteht/bestand allgemeines Krankheitsgefühl, Schwäche oder Gewichtsverlust?
8. Bestehen/bestanden Beschwerden außerhalb des Magen-Darm-Traktes wie Gelenksschmerzen, Augenentzündungen oder spezifische Hautveränderungen (z. B. „Erythema nodosum“: Kennzeichnend dafür sind z.B. mehrere, unscharf begrenzte Flecken bzw. Knötchen unter der Haut, die leicht erhaben und sehr druckempfindlich sind)?
9. Existiert in der Familienanamnese ein Hinweis auf Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa?
10. Können andere Ursachen einer Durchfalls-Erkrankung ausgeschlossen werden, z. B. Fernreisen, Infektionen, Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten, Medikamenteneinnahme wie NSAR (Antirheumatika) oder Antibiotika, sexuelle Praktiken?

Wird eine der Fragen 1. bis 8. mit „Ja“ beantwortet, bedarf es einer ärztlichen Abklärung. Wird zusätzlich die Frage 9. und/oder 10. mit „Ja“ beantwortet, kann das den Hinweis auf CED erhärten.

Kontakt: walter.reinisch@meduniwien.ac.at

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