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| Hausärztliche Aufgaben bei Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) Statement Dr. Susanne Rabady, Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM) |
Dem Hausarzt obliegt nun die für den Verlauf wichtige möglichst frühe Diagnosestellung und Abgrenzung gegen andere, häufigere Krankheitsbilder wie das Reizdarmsyndrom. Wobei, wie immer, das richtige Maß gefunden werden muss zwischen den erforderlichen laborchemischen und apparativen Untersuchungen, und einer schrotschussartigen Überdiagnostik, die der Absicherung dient und die sowohl die Belastung für den Patienten erhöht, als auch die Kosten. Je präziser und rascher Arbeitsdiagnosen erstellt werden können, desto weniger Zeit vergeht bis zur endgültigen Diagnose – Zeit, die für den Patienten durch einen verzögerten Therapiebeginn körperlich beschwerlich, und durch Angst und Unsicherheit psychisch belastend sein wird. Dabei hilft zum einen die Tatsache, dass wir den Patienten und seine Familie in vielen Fällen schon über Jahre kennen, und objektive Veränderungen wie auch seine eigene Wahrnehmung gut einschätzen können. Zum anderen gibt es Hilfen durch Instrumente wie die „EBM-Guidelines für Allgemeinmedizin“, und Symptome-Scores, die ein rationales Procedere erleichtern, und helfen, den Schweregrad einzuschätzen. Neben der Veranlassung und Koordination einer geeigneten Diagnostik (durchgeführt vom Spezialisten) fällt oft die vorläufige Therapieeinleitung (vor allem bei akuterer Symptomatik und bei hochgradigem Verdacht auf CED) in den Verantwortungsbereich des Allgemeinarztes. Wie immer in der Betreuung und Führung chronisch Kranker in der Hausarztpraxis gehören die Therapieüberwachung (Beobachtung von Wirkung, Nebenwirkungen, Interaktionen, damit zusammenhängender Compliance) und die Verfolgung des Krankheitsverlaufs (Prävention krankheitsbedingter Mangelzustände, Erkennen von Folgekrankheiten: Osteoporose, Karzinome) sinnvollerweise in die Hände des Generalisten, wobei je nach Art der Behandlung und des Erkrankungsstadium punktuell oder ständig eine enge, von gegenseitigem Vertrauen geprägte Kooperation mit dem Spezialisten unbedingt erforderlich ist. Dazu kommt die Behandlung interkurrenter Erkrankungen, die durchgeführt und/oder koordiniert werden muss, vor allem im Hinblick auf mögliche Wechselwirkungen von Medikamenten, oder von Auswirkungen auf den Verlauf der Darmerkrankung. Das erfordert allerdings zuverlässige und ausreichend rasche Rückmeldung von anderen behandelnden Ärzten an den Hausarzt. Flankierende Maßnahmen wie Lebensstil- und eventuell Berufsberatung gehören ebenso zu den allgemeinärztlichen Aufgaben wie die psychische Betreuung dieser Patienten, die an einer im Grunde unheilbaren, wenn auch zumeist und über lange Strecken gut beherrschbaren Erkrankung leiden. Und das oft in einem Alter, in dem man sich noch für unverwundbar hält, und die Akzeptanz einer vielfach den Alltag behindernden Krankheit sehr schwer fällt, nicht nur dem Betroffenen, sondern auch der Familie, vor allem den ebenfalls noch jungen Partnern, die sich ihre Beziehung weniger belastend vorgestellt haben. Gegebenenfalls wird hier die Vermittlung von Selbsthilfegruppen und/oder professioneller psychologischer Begleitung erforderlich sein. Eine gute, verlässlich und vertrauensvolle Arzt-Patient- Beziehung ist in jedem Fall die Basis, vor allem, wenn sie auf langjährigen Kontakt aufbauen kann. Die ÖGAM erarbeitet in Kooperation mit namhaften Spezialisten derzeit ein Konsensuspapier, um dem Allgemeinarzt in der Praxis diagnostische und therapeutische Strategien in die Hand zu geben, die die Identifizierung und Betreuung von CED-Patienten erleichtern. Kontakt: susanne@rabady.at nach oben |
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