Datum: 21. November 2007
Thema: Unser Darm Neueste Erkenntnisse rund um unsere Körpermitte
Referent: Univ.-Prof. Dr. Ludwig Kramer Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie Innere Medizin III, Univ.-Klinik Wien
Der menschliche Verdauungstrakt beginnt in der Mundhöhle, in der die Nahrung mechanisch zerkleinert wird und durch Speichelvermischung auch eine weitere Zerlegung der Bestandteile erfolgt. Die nachfolgende Speiseröhre ist etwa 25 cm lang und hat hauptsächlich die Funktion, die Speisen bis in den Magen zu transportieren. Der Magen schließt an die Speiseröhre, die den Rachen und den Magen verbindet, an, und geht dann in den Zwölffingerdarm über. Im Magen kommt die Nahrung erstmals zum Abliegen und Durchmischen , was bis zu bis zu 4 Stunden lang dauert. Der sehr saure Magensaft und ein bestimmtes Enzym („Eiweißspalter“) zerstückeln die großen Eiweißmoleküle wie Fleisch, Eiklar usw. Zusätzlich werden die Fette emulgiert, also zu kleinen Kugeln geformt, um sie für die Verdauung durch Enzyme im Dünndarm besser zugänglich zu machen. Auch die Aufnahme verschiedener Vitamine, wie z.B. Vit. B12, wird im Magen vorbereitet.
Der Dünndarm bildet den Hauptort der Verdauung und der Nahrungsaufnahme, ist ca. 5 m lang und besteht aus drei Teilen: dem Zwölffingerdarm (Duodenum- 25 cm lang), dem Leerdarm (Jejunum) und dem Krummdarm (Ileum). Hier vermischt sich der Nahrungsbrei mit dem Saft, der aus der Bauchspeicheldrüse kommt sowie mit der Galle und durch die Absonderung von weiteren Verdauungsenzymen wird die Nahrung aufgespalten und in den Blutkreislauf aufgenommen. Die Nahrungsaufnahme ist nur durch innigen Kontakt der Stoffe mit der Schleimhaut möglich und damit dies optimal machbar ist, legt sich die Dünndarmschleimhaut in Falten. Würde man diese Schleimhaut ausbreiten, erhielten wir alleine im Dünndarm eine Oberfläche von 200 m2.
Im Dickdarm (Länge ca. 1,3 m) findet keine Verdauung selbst mehr statt, sondern die Rückaufnahme des Wassers und gewisser Salze aus dem dünnflüssigen Stuhlbrei aus dem Dünndarm. Es wird die Nahrung eingedickt und der sog. Stuhl produziert (500 bis 1500 ml Stuhl werden auf 100 bis 200 ml eingedickt!) Die normale Stuhlfrequenz variiert stark von 3x tgl. bis zu 3x wöchentlich
Die Schleimhaut des Darmtraktes mit ihren verschiedensten Zellen ist das größte Immunsystem unseres Körpers und bildet ein Schutzschild gegen schädliche (infektiöse und toxische) Einflüsse. Durch den ständigen Kontakt von außen aufgenommener Stoffe und mit unbekannten Keimen werden Abwehrstoffe (sog. Antikörper), Botenstoffe (wie „Zytokine“) und andere gebildet. Der zunächst bei der Geburt keimfreie (sterile) Magen-Darmtrakt wird beim ersten Kontakt mit der Umwelt von einer Unzahl Bakterien besiedelt. Die Bakterien bilden dort eine Lebensgemeinschaft (insgesamt - je nach Lokalisation beim Gesunden vor allem in der Mundhöhle und im Dickdarm - bis 100 Billionen Keime und mit bis zu 400 verschiedenen Bakterienarten aber auch bis zu 100 Hefepilzen je Gramm Dickdarminhalt). Die Keime in unserem Darmtrakt sind sowohl für unseren Stoffwechsel als auch für die Unterstützung des Immunsystems mit Erhaltung eines Gleichgewichtes zuständig.
Erkrankungen im Magen-Darmtrakt Erkrankungen im Magen-Darmtrakt werden von verschiedenen Symptomen begleitet, wie Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Bauchkrämpfe, Verstopfung (Obstipation), Durchfälle (Diarrhoe), „Mundgeruch“, Appetitlosigkeit, Völlegefühl und vieles andere mehr.
Alarmsymptome für eine sog. organische Erkrankung sollten genau beachtet werden: 1. Beschwerden seit kurzer Zeit (veränderte Stuhlgewohnheiten, Neigung zu Durchfall wechselnd mit Verstopfung, Schleim- und Blutabgänge) 2. (nicht erklärbarer) Gewichtsverlust 3. Blut im Stuhl (sichtbar oder mit Stuhltests diagnostiziert) 4. Auffallende Haut- und Gesichtsblässe 5. Fehlende Verschlimmerung der Beschwerden unter Stress und keine Besserung in Erholungssituationen 6. Störung der Nachtruhe durch die Symptome
Das Spektrum der Erkrankungen reicht von Reizdarmproblemen, div. Unverträglichkeiten, Entzündungen über Geschwüre, Blutungen bis hin zu gutartigen oder sogar bösartigen („Krebs“) Tumoren.
Die Abklärung von unklaren Beschwerden im Magen-Darmtrakt reicht von einer normalen körperlichen Untersuchung des Arztes bis hin zu Röntgenuntersuchungen, Ultraschall, Magen- Darmspiegelung (Endoskopie), Kapselendoskopie, Bauchhöhlenspiegelung (Laparoskopie) und speziellen Verfahren mit Computertomographie, Magnetresonanztomographie etc. Eine bereits ab dem 40. Lebensjahr jährlich durchgeführte Untersuchung auf nicht-sichtbare Blutspuren im Stuhl kann die Krebserkrankungsrate deutlich senken.
Kontakt: Univ.-Prof. Dr. Ludwig Kramer Univ.-Klinik für Innere Medizin III Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie Währinger Gürtel 18-20, 1090 Wien E-mail: ludwig.kramer@meduniwien.ac.at Telefon: 01/40400 4741
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