Datum: 02. Oktober 2007
Thema: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: Vorsorge und neueste medizinische Behandlungsmethoden
Referent: A. Univ.-Prof. Dr. Arthur Kaser Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Univ.-Klinik für Innere Medizin Innsbruck
An chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, sind in Österreich etwa 30-40.000 Menschen erkrankt. Ohne dass wir es bisher verstehen, warum das so ist, nimmt die Häufigkeit der Erkrankung zu. Beide Erkrankungen treten vor allem zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf und können ge-rade am Anfang eine sehr subtile Symptomatik aufweisen, sodass es auch Jahre dauern kann, bis die richtige Diagnose gestellt ist.
Zu den Symptomen gehören Bauchschmerzen, Durchfall, Gewichtsabnahme, Fisteln, und Blut am Stuhl. Beide Erkrankungen haben häufig einen schubhaften Verlauf, Phasen mit Beschwerden wechseln dabei ab mit zum Teil auch langanhaltenden Remissionen. Für die Diagnostik ist vor allem die Colonoskopie entscheidend, bei der Gewebsproben aus dem Darm entnommen werden.
In den letzten Jahren hat unser Verständnis der beiden Erkrankungen dramatisch zugenommen, was ganz neue therapeutische Möglichkeiten eröffnet hat. Beide Erkrankungen kommen durch das Zusammenspiel von genetischen und umweltbedingten Ursachen zustande. Inzwischen ken-nen wir bereits einige Gene ganz genau, die gerade für Morbus Crohn verantwortlich sind, genaugenommen war Morbus Crohn überhaupt die erste sogenannte polygene (d.h. durch das Zusammenspiel mehrere Gene entstehende) Erkrankung, bei der man ein solches Gen auch eindeutig identifizieren konnte, was 2001 einen echten Durchbruch darstellte. Wir wissen inzwischen auch, dass die Darmflora eine wesentliche treibende Kraft hinter der Erkrankung ist, und offensichtlich das körpereigene Immunsystem durch diese Darmkeime bei erkrankten Personen aktiviert wird und für die Entzündung im Darm verantwortlich ist. Und weil wir diese Zusammenhänge zunehmend verstehen, konnten in den letzten 10 Jahren ganz neue Therapiestrategien entwickelt werden.
Während vor einigen Jahren neben Kortisonpräparaten und Chirurgie wenig Optionen bestanden, haben wir heute viel bessere Möglichkeiten, spezifisch und sehr erfolgreich die Erkrankung zu behandeln. Dazu gehören insbesondere Antikörper, die gegen Tumor Nekrose Faktor alpha (TNFα) – ein wichtiger Entzündungs-Botenstoff – gerichtet sind, die inzwischen schon seit einigen Jahren routinemäßig eingesetzt werden. Ein wichtige Frage in diesem Zusammenhang, die sich zuletzt herauskristallisiert hat, ist, ob diese Präparate gleich zu Beginn, oder wie bisher erst nach Versagen „konventioneller“ Mittel eingesetzt werden sollte; dies im Hinblick darauf, dass eine frühe Therapie den Krankheitsverlauf evtl langfristig positiv beeinflussen könnte. Und eine ganze Reihe weiterer Substanzen, die unser gewachsenes Verständnis der Ursachen der Erkrankung umsetzen, ist gerade in sehr fortgeschrit-tener Phase der klinischen Entwicklung.
Weitere Informationen: Univ.-Prof. Dr. Arthur Kaser Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie Universitätsklinik für Innere Medizin Innsbruck Anichstraße 35, 6020 Innsbruck Tel.: 0512 504-23401 Email: arthur.kaser@uibk.ac.at
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