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Datum: 8. November 2007
Thema: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: Vorsorge und neueste medizinische Behandlungsmethoden
Referent: Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Petritsch Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Medizinische Universität Graz
Unter chronisch entzündlichen Darmerkrankungen werden in engeren Sinn die Colitis ulcerosa (Dickdarmentzündung mit Geschwüren) und der Morbus Crohn (Eigenname nach einen der Erstbeschreiber) zusammengefasst. Bei beiden handelt es sich um eine chronisch dzt. nicht heilbare Darmentzündung mit unbekannter Ursache. Beide Erkrankungen verlaufen meist in Schüben. Phasen mit hoher Krankheitsaktivität, u.a. gekennzeichnet durch Durchfälle, Bauchschmerzen, Blut beim Stuhl etc. (sog. Schübe) wechseln sich mit Phasen weitgehender Beschwerdefreiheit ab (sog. Remission). Für die Colitis ulcerosa ist typisch der ausschließliche Dickdarmbefall mit vorwiegend blutig schleimigen Durchfällen, für den Morbus Crohn eher die Bauchschmerzen mit breiigen bis dünnen Stühlen, wobei entzündliche Veränderungen in allen Abschnitten des Verdauungstraktes vorkommen können. Am häufigsten ist der letzte Abschnitt des Dünndarms am Übergang zum Dickdarm befallen.
Obwohl die konkrete Ursache für beide Erkrankungen bis dato noch nicht bekannt ist, wissen wir das Umweltfaktoren, wahrscheinlich insbesondere die Ernährung, die Hygiene und bestimmte genetische Konstellationen eine wichtige Rolle spielen. Grundlage der Erkrankung ist wahrscheinlich eine gestörte Immunantwort auf verschiedene Darmbakterien.
Im Gegensatz zum Dickdarmkarzinom ist eine Vorsorge leider nicht möglich. Da die Erkrankung nicht sehr häufig ist (ca. 15 Neuerkrankungen/100.000 Einwohner/Jahr) ist das rechtzeitige „daran denken“ die einzige Möglichkeit den Leidensweg so kurz wie möglich zu halten und die Therapie möglichst früh zu beginnen.
Im Gegensatz zum primären Auslöser ist der Ablauf der Entzündung sehr gut bekannt. Die dzt. zur Verfügung stehenden Medikamente greifen auf verschiedenen Ebenen der Entzündung an und hemmen teils gezielt teils ungezielt (z.B. Cortison) wichtige Schritte im Entzündungsprozess. In den letzten Jahren hat sich die immunsuppressive Therapie d.h. die Unterdrückung/Regulierung des überschießend arbeitenden Immunsystems als wesentliche Therapie nicht erst im Spätstadium sondern bei Notwendigkeit bereits zu Beginn etabliert. Eine wesentliche Rolle dabei spielen Biologika. Das sind künstlich hergestellte Antikörper die gezielt gegen verschiedene Entzündungsboten gerichtet sind und so die Entzündungskaskade unterbrechen. Beim Morbus Crohn bzw. Colitis ulcerosa sind sie gegen den Tumor Nekrose Faktor (TNF) gerichtet, den wichtigsten Entzündungsüberträger bei diesen Erkrankungen. Sie sind als Infusion alle 6-8 Wochen (Remicade®) oder als Spritzen die man unter die Haut verabreicht (Humira® alle 1-2 Wochen oder Cimzia® alle 4 Wochen) erhältlich. Auf Grund der möglichen Nebenwirkungen (z.B. schwere Infektionen), der noch unklaren Langzeitverträglichkeit, der hohen Kosten (ca. 3000€/8 Wochen) und des auch nur bedingten Ansprechens (ca. 40-60%) werden sie dzt. nur bei Versagen der herkömmlichen Mittel eingesetzt. Trotz aller medikamentösen Fortschritte müssen im Laufe eine Lebens dennoch zwischen 20-70 % aller Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Mb. Crohn > Colitis ulcerosa) operiert werden, sodass eine enge Zusammenarbeit zwischen Gastroenterologen (Spezialist für Magen- Darmerkrankungen) und einem auf Darmerkrankungen spezialisierten Chirurgen sehr wichtig ist.
Weitere Informationen: Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Petritsch Medizinische Universität Graz Klin. Abt. für Gastroenterologie und Hepatologie Auenbruggerplatz 15, A 8036 Graz Tel: 0316/ 385-4389 Email: wolfgang.petritsch@meduni-graz.at
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