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Österreichische Morbus Crohn-Colitis Ulcerosa Vereinigung


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Marietta Riemer, ÖMCCV Zweigstelle Niederösterreich Süd
Labil, sensibel oder doch einfach menschlich?

(Arthrozenthese – Kiefergelenksspülung):

In diesem Beitrag möchte ich einmal ganz etwas anderes
als nur die ärztliche Seite bringen.
Sondern gekoppelt mit den seelischen Empfindungen und
dem Erlebten!
Hiermit möchte ich mich bei Euch auch entschuldigen,
sollte ich Eure Mails nicht so schnell beantwortet haben,
wie Ihr es von mir gewohnt seid.
Aber leider ging es mir nicht besonders.

Plötzlich im Jänner dieses Jahres, kurz nach Silvester, begann es! Anfangs nicht so oft, aber zunehmend bis fast täglich extreme Schmerzen im linken Kiefergelenk! Prosit Neujahr!!
Ab Mai wurden die Schmerzen fast unerträglich.
Inzwischen strahlten diese bis weit in den Unter-/Oberkiefer, Ohrbereich und Stirn aus.
Meinen geliebten Sport konnte ich teilweise einfach nicht mehr ausüben!
Abgesehen davon, hatten wir in unserer Firma Umgruppierung und Umsiedlung!
Dies beinhaltete für mich, einen neuen Chef, neue Kollegen/innen und teilweise ein neues Arbeitsgebiet.
Deshalb wollte ich es einfach nicht wahr haben, dass der Schmerz, anstatt wie von einem Tag auf den anderen gekommen, sich nicht wieder von selbst vertschüssen würde!
Nein, er zeigte mir, es steht an, etwas zu unternehmen!
Somit begab ich mich auf den wohlbekannten „Spießrutenlauf“! Ein Arzt nach dem anderen, ein Medikament nach dem anderen, aber es half nichts.
Juhu - mir stand einfach . . . der 16. Spitalsaufenthalt ins Haus.

Neben dem Job - spät abends von der Arbeit ausgepowert heimzukommen - hatten zwei mir sehr nahe stehende Personen schwere private Probleme. Für mich selbstverständlich, dass ich zur Stelle war, um zu helfen. Ein Depp mit Helfersyndrom, würden die Psychologen sagen!
Trotzdem ist für mich Folgendes bis heute nicht nachvollziehbar: Wie kann so etwas passieren?

Ok – schön langsam, der Reihe nach!

Einrückungstermin ins Krankenhaus war Mittwoch, der 9. August 2006 – 8.00 Uhr!
Beim Eingangstor wäre ich am liebsten retourgelaufen anstatt weiter zu gehen!
Gibt es was Schöneres, der typische Geruch und die lieben Spritzen ….
Die Darmoperation vor 3 Jahren kam mir vor, als wäre sie erst gestern gewesen!!
Nix da – denk an dein Mantra! Dachte mir, lass diese Kiefergelenksspülung bei lokaler Betäubung machen und spätestens am Montag gehe ich wieder arbeiten! Kann ja keine Hexerei sein!
Somit stand ich pünktlich „habt acht“ inklusive Täschchen, denn ich durfte sogar übernachten!

Anmeldung, Zimmer etc. eh immer der gleiche Rhythmus!

Bald darauf wurde ich in den OP geschoben. Fertig mit den Vorbereitungen, warten aufs Ärzteteam!
Inzwischen flatterten meine Nerven schon ziemlich hoch oben, ich lag wie die Gans am Schlachtblock, starrte in die grellen OP-Lampen und sagte mir immer wieder mein Mantra vor mich hin – „du machst das schon, es wird alles gut!“
Die Ärzte/innen waren wirklich alle sehr nett. Die Betäubungsspritzen taten weh, aber das Hineinmassieren ins Gelenk ließ die Tränen fließen. Immer wieder, bitte ganz locker halten, nicht verkrampfen. Die Gelenksflüssigkeitsprobe konnte aufgrund der extremen Entzündung und der „Verformung“ des Kiefergelenks auch beim 3. „Stechversuch“ nicht genommen werden.
Endlich wurde dann gespült und danach bekam ich die neue „künstliche Gelenksflüssigkeit“ hineingespritzt. Die Augen wurden mit Salbe eingetropft und extra Blutabnahme wegen irgendeines Wertes, weil ja das andere nicht funktioniert hatte.
Dann war ich fertig! Fixi und Foxi! Das halbe Gesicht verschwollen, die Augen wie fast blind.

Bitte entschuldigt, wenn ich keine Fachausdrücke verwende, denn erstens bin ich kein Arzt und zweitens merke ich mir diese lateinischen Ausdrücke einfach nicht!

Anschließend im Zimmer versuchte ich, einfach nur zu schlafen. Ging leider nicht so wirklich.
Egal wie ich mich hinlegte, irgendwie verschob oder spannte es im Gesicht und tat weh.
Na gut, dachte ich mir, schau einmal, so gut es ging, nach, was alles für Nachrichten am Handy waren. Alle möglichen Glückwünsche, Daumendrücken und positive Wellen – danke an alle, die mir dies schickten. Ich habe mich darüber sehr gefreut!
Endlich konnte ich doch ein Nickerchen machen, mein Körper und meine Nerven verlangten es einfach.
Sobald ich wach wurde, was tut man? Handy – was gibt’s Neues. Und da fiel mir auf, hoppala meine vorhin erwähnten Personen haben sich noch nicht gemeldet, oder hatte ich mit den eingesalbten Augen was übersehen?
Es wird abends, ich wartete noch immer. Inzwischen schaute ich in 5 Minutenintervallen am Display nach, ob ich eh nichts verpasst habe!
Na ok, sie werden sich sicher am nächsten Tag melden, hatten vielleicht Stress!
Somit schlief ich mit einigen „Hilfe-Tabletten“ die Nacht durch, bis ich morgens von der lieben Krankenschwester mit dem Fiebermesser geweckt wurde! Wie ich das hasse, mitten in der Nacht aufgeweckt zu werden, um dieses Ding messen zu lassen.
Muss gestehen, ich bin halt leider ein Morgenmuffel!
Danach büselte ich weiter bis das Frühstück kam! Oje, ging auch nicht so leicht, tat ja doch weh! Hilft nix, da musste ich durch!
Ach, dachte ich mir, mein Handy hätte ich doch glatt vergessen, wenn nicht meine lieben Zimmergenossinnen auch diese modernen Dinger gehabt hätten! Schnell aufgedreht und sehnsüchtig die erwarteten Meldungen gelesen. Aber da war nichts – nada – el toti!
Ich konnte noch sooft nachschauen oder das Handy anflehen endlich zu bimmeln, es tat sich nichts!
Am Nachmittag, als ich abgeholt wurde, dachte ich mir, endlich raus, denn ich spüre schon wieder die Klimaanlage! Leider bis zum Abend stellte sich heraus, dass es nicht diese war, sondern ich irgendwas „aufgeschnappt“ hatte. Ich bekam Fieber, Nebenhöhleneiterung und der Hals schmerzte extrem, abgesehen vom Kiefergelenkchen, welches sich auch immer wieder meldete, damit ich es nicht vergaß!
Am nächsten Tag begann ich mit Antibiotika, nur die „Kerlchen“ waren ziemlich hartnäckig. Schneller, als ich zählen konnte, waren 3 Kilo pfutschi!
Naja - ich war ja eh schon zu dick, bei meinen 1.60m und 48kg, das ist ja nicht zum Aushalten!
Außerdem hörte ich von meinen zwei Lieben noch immer nichts!
Bis zum Wochenende war ich so was von groggy und down, wie schon lange nicht mehr! Es war soweit, Heulstadium, Selbstzweifel und einfach genug von allem.
Oh Wunder! Da bimmelte das Handy und kurz hintereinander meldeten sich beide.
Aber nicht zu glauben – der Wortwechsel war nur Alltägliches! Keine Frage - wie geht’s dir? Ich habe an dich gedacht, aber… oder ist nun alles ausgestanden? Nein – nur, wie ist das Wetter….
Da machte es klick bei mir! Hallo – wer oder was bin ich für diese Personen?
Ja, ich bin öfters krank oder im Spital als andere Mitmenschen, aber trotzdem habe ich Gefühle und Gedanken und nicht ein leeres Hirn, dies wurde mir ja nicht ausgespült, sondern nur das Kiefergelenk!!!
Ich kapierte: SIE HATTEN ES EINFACH VERGESSEN!

Vergessen! Wie kann es sein, dass einem nicht interessiert, ob alles gut gelaufen ist oder wie es geht, wenn ein sehr nahestehender Mensch ins Krankenhaus kommt?
Gut, im Sterben lag ich nicht, aber trotzdem war es dann, wie ihr gelesen habt, doch nicht so einfach, wie ich angenommen hatte.
Für mich war es der Ausdruck einer geringen Wertschätzung!

Ich hatte Zeit zum Nachdenken und zum Lesen!

Alle positivdenkenden Ratgeber hervorgeholt und nachgeschlagen:
„Grübeln ist Gift! Höre damit auf.“ – Das klingt gut und stimmt!
„Es ist, wie es ist! Es muss für irgendetwas gut gewesen sein!“ Naja, wofür?
„Achte und bewahre es im Herzen als Erfahrung und Hilfe für die Zukunft. Gestern ist vorbei! Lass es hinter dir, denn es ist bereits verdörrt, verfault, vergammelt, vermodert.
Solche Speisen würden wir sofort wegschmeißen und nicht weiterhin essen, weil wir wissen, sie würden uns nicht gut tun!“
Und viele mehr. . . . aber wollt Ihr die Wahrheit wissen?
Es tat weh, verdammt weh!
Ich brachte es gefühlsmäßig zusammen, bei einer Richterskala von 1-10 (10 ist super), diese Richtwerte um mind. bis zu minus 5 zu erweitern (-10 ist gefühlstot)!!!!

Inzwischen geht es mir wieder einigermassen besser.
Heute weiß ich, was ich daraus lernen sollte!
Diese Narben werden sicher auch verheilen!

Eure
Marietta Riemer

P.S. - Vielleicht habt Ihr auch ähnliches erlebt? Wollt Ihr es niederschreiben? Ihr könnt es mir gerne mailen, und wenn ich es in einem Crohnicle veröffentlichen darf, würde ich mich sehr darüber freuen.

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