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2.0 Epidemiologie der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen
Epidemiologische Daten zu chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) liegen für Österreich nicht vor. Extrapolationen aus anderen europäischen Ländern legen aber folgende Situation nahe: während für die Colitis ulcerosa in den letzten Jahren eine stabile Inzidenz beschrieben wurde (10-15 Neuerkrankungen/100.000), steigt die Inzidenz des Morbus Crohn deutlich an. War die Verteilung Colitis ulcerosa zu Morbus Crohn vor 15 Jahren noch 2:1, ist sie nach Angaben letzter Erhebungen aus Frankreich bereits ausgeglichen (Ref. 1, 2). Auf Österreich übertragen sollte die Inzidenz für CED somit zwischen 20 bis 25/100.000 betragen. Da Daten zur Prävalenz von CED aus Österreich ebenfalls nicht verfügbar sind, könnte basierend auf der Tatsache, dass Patienten mit CED vorzugsweise im jungen Erwachsenenalter, d.h. am Beginn der 3. Lebensdekade erkranken und bei nur geringfügig reduzierter Lebenserwartung ca. 40 Jahre an CED leiden, folgende Approximation berechnet werden: Prävalenz = Inzidenz in Gesamtbevölkerung x Erkrankungsdauer = 1600 (2000) x 40 = 64.000 (80.000)
Diese Zahlen können auch aus der steigenden Anzahl der stationären Patienten mit Haupt- und Nebendiagnose CED in Österreich extrapoliert werden. Nach Angaben des ÖBIG hat in den letzten 10 Jahren die Anzahl der Patienten mit den Diagnosen CED in stationärer Betreuung um rund 50% zugenommen. Im Jahr 2005 mussten 8.722 Patienten stationär behandelt werden. Ausgehend von dem Erfahrungswert, dass rund 10% der Patienten mit CED im Laufe eines Jahres einer stationären Betreuung bedürfen, würden auch die Zahlen des ÖBIG auf eine Prävalenz von ca. 80.000 Patienten mit CED in Österreich schließen lassen. Dies entspräche ca. 1% der Bevölkerung, und wäre somit mit der rheumatoiden Arthritis vergleichbar. Bei weiterhin steigender Inzidenz für Morbus Crohn erscheint eine weitere Zunahme der Prävalenz in den nächsten Jahren sehr wahrscheinlich. Im Kontrast dazu werden CED von Ärzten und Gesundheitspolitikern fälschlich als seltene Erkrankungen gewertet. Besonders bedenklich fällt dabei auch ein zunehmend jüngeres Manifestationsalter von CED auf. Aktuelle Studien aus Deutschland legen eine Inzidenz von CED im Kindesalter von 7.6/100.000 nahe. Im Vergleich dazu wird die Inzidenz der Epidermolysis bullosa („Schmetterlingskinder“) mit ca. 1/100.000 angegeben.
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