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CED-Versorgung und Verbesserungsmöglichkeiten in Österreich
Statement Univ.-Prof. DI. Dr. Harald Vogelsang, Universitätsklinik für Innere Medizin III, Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, AKH Wien, MUW
Hochgerechnet bis zu 80.000 Patienten mit CED stehen in Österreich nur wenige Spezialisten in so genannten Spezialambulanzen für chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED-Ambulanzen) zur Verfügung. Hier werden jene Magen-Darm-Patienten untersucht, die auf Grund ihrer Darmsymptomatik gegenüber Morbus Crohn bzw. Colitis ulcerosa abzugrenzen sind, etwa Patienten mit Nahrungsintoleranzen, Lebensmittelallergien, Reizdarm oder Zöliakie.
Auch die Behandlung von CED-Patienten erfolgt in diesen Ambulanzen, allerdings auf Grund der mangelnden Infrastruktur schätzungsweise nur bei 15 bis 20 Prozent der CED-Patienten. Bei der letzten Arbeitsgruppentagung der Arbeitsgruppe CED der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH) waren nur 40 Ärzte aus ganz Österreich zu diesem Thema vertreten.
Awareness schaffen: Aufgeklärte Patienten haben eine bessere Prognose
Nicht nur die konsequente Information von Ärzten, auch die von Patienten ist von zentraler Bedeutung. Nach heutigem Verständnis haben aufgeklärte Patienten eine bessere Prognose: Sie gehen mit ihren Beschwerden meist früher zum Arzt, und sie tragen die Behandlung auch besser und aktiver mit. Wichtig für potenzielle CED-Patienten kann auch ein gut informiertes soziales Umfeld sein, weil Verwandten und Freunden eine zentrale Rolle dabei zukommen kann, jemanden mit Beschwerden zum Arztbesuch zu motivieren.
Neben Kampagnen zur Steigerung der Awareness für CED in der Bevölkerung und der Ärzteschaft haben wir als Möglichkeit der besseren Versorgung dieser Patienten regelmäßig Arzt-Patienten-Tagungen organisiert, wobei wichtige Informationen und neueste Erkenntnisse den Patienten möglichst laiengerecht zumindest einmal pro Jahr angeboten werden. Diese Arzt-Patienten-Tagung gibt es im AKH Wien nun seit ungefähr 10 Jahren, sie wurde auch mit dem Gesundheitspreis der Stadt Wien ausgezeichnet.
Patienten-Selbstmanagement bringt Reduktion von Arztbesuchen und Kosten
Thema der Arzt-Patienten-Tagung vom 11. Mai 2007 ist nun das Patienten-Selbstmanagement, wo Patienten Informationen zur Beeinflussbarkeit des Krankheitsverlaufs mit natürlichen Maßnahmen wie Meiden von Nikotin und Schmerzmitteln, veränderter Hygiene in der Kindheit und Stressmanagement geboten werden. Eine entsprechende Studie zur Kosteneffektivität von Selbstmanagementschulungen zeigte in England, dass sich dadurch eine deutliche Reduktion der Patientenbesuche bei niedergelassenen Gastroenterologen bzw. in den Spezialambulanzen erreichen ließ bzw. insgesamt eine Kostenreduktion von 148 Pfund pro Patient erreicht werden konnte.
Für die Zukunft wäre es natürlich nötig, den Patienten entsprechende Patientenschulungen ähnlich wie bei Diabetes mellitus in Kleingruppenkursen regelmäßig anbieten zu können. Dies könnte sowohl durch entsprechende versierte Gastroenterologen mit Spezialinteresse auf dem Gebiet CED, als auch durch spezielle CED-Schwestern erfolgen. Doch wurden bisher entsprechende Geldmittel im Gesundheitsbereich nicht eingeplant. Gespräche mit den entsprechenden Entscheidungsträgern am AKH, der Stadt Wien, dem Gesundheitsministerium und dem ÖBIG werden aber kontinuierlich vorangetrieben.
Unbehandelte CED führen zu Beschwerden bis hin zur Invalidisierung
CED können unerkannt und damit unbehandelt zu schweren Beschwerden mit Komplikationen bis hin zur Invalidisierung führen. Bei der Colitis ulcerosa ist eine rechtzeitige Diagnosestellung und damit angemessene Behandlung wichtig, weil im ersten Jahr am häufigsten Operationen mit Entfernung des Dickdarmes (Kolektomie) wegen Komplikationen durchgeführt werden müssen. Durch rechtzeitige Diagnosestellung mit Koloskopien (Darmspiegelungen) mit entsprechender Behandlung ist dieses Risiko in den letzten Jahren deutlich reduziert worden. Auch beim Morbus Crohn werden mehr als 70 Prozent der Patienten im Laufe ihres Lebens zumindest einmal operiert.
Therapiepyramide
In der Behandlung der Colitis ulcerosa steht eine Therapiepyramide zur Verfügung, beginnend mit Medikamenten wie 5-Aminosalizylaten oder Probiotika ohne wesentliche Nebenwirkungen, über Cortisonpräparate für den schwereren Schub bis hin zu Immunsuppressiva und Biologika (TNF-alpha-Hemmer) der neuesten Generation. Damit kann die früher häufiger notwendige Kolektomie, früher mit künstlichem Darmausgang („Stoma“), oft vermieden werden. Im Extremfall einer Dickdarmentfernung ist heute das Anlegen eines neuen künstlichen Mastdarmreservoirs aus dem Dünndarm ohne künstlichen Darmausgang möglich.
Auch für Morbus Crohn steht eine ähnliche Therapiepyramide wie für Colitis ulcerosa zur Verfügung: Beginnend mit harmlosen 5-Aminosalyzilaten, über lokal im Darm wirksame Cortisonpräparate, systemische Cortisone bis zu Immunsuppressiva wie Azathioprin bis hin zu den Biologika (TNF-alpha-Hemmer), den neuesten Medikamenten für den schweren Verlauf. Patienten unter Biologika-Therapie weisen meistens eine rapide Besserung der Beschwerden, eine Abheilung der Entzündung im Darm und auch eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit und Arbeitsfähigkeit auf.
Diese Biologika sind allerdings vergleichsweise teuer, und ihre Verschreibung ist oft mit Hindernissen verbunden ist und erfährt zum Teil eine Ablehnung durch Chefärzte.
Neuerungen bei den TNF-alpha-Blockern
Auf dem Gebiet der TNF-alpha-Blocker sind in Österreich eine Reihe von Neuerungen in Sicht. So empfahl vor wenigen Tagen der wissenschaftliche Ausschuss der Europäische Arzneimittelagentur (EMEA) den Wirkstoff Adalimumab zur Zulassung zur Behandlung von schwerem Morbus Crohn.
Ebenso wird die Markteinführung des Biologikums Certolizumab zur Behandlung von Morbus Crohn erwartet. Und die Therapie mit Infliximab wurde inzwischen von der EMEA für Kinder zwischen sechs und 17 Jahren zugelassen, wenn sie auf die konventionelle Therapie nicht ausreichend ansprechen oder diese nicht vertragen. Damit könnten die bisher nicht so seltenen wachstumsgefährdenden Osteopathien und bleibenden Wachstumsdefizite jugendlicher Patienten bald der Vergangenheit angehören.
Kontakt: harald.vogelsang@meduniwien.ac.at
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